Wien. (sf/reu) Umgerechnet 7,5 Milliarden Euro Umsatz an einem einzigen Tag - der weltgrößte Onlinehändler Alibaba hat am im China gefeierten "Tag der Singles" mehr Umsatz gemacht, als die Österreicher innerhalb eines ganzen Jahres über das Internet, den Versandhandel oder über Teleshopping gekauft haben. Der Tag war 2009 von Chinas Online-Händlern als Gegenstück zum Valentinstag ins Leben gerufen worden und liegt wegen der vier Einsern in Folge auf dem 11. 11.

Von Mai 2013 bis April 2014 wurden hierzulande insgesamt "nur" 6,9 Milliarden Euro ausgegeben. Mehr als die Hälfte davon geben die Österreicher bei deutschen Onlineshops aus - und künftig werden sie zunehmend auch bei Anbietern aus den USA oder China einkaufen. "Der Onlinehandel wird weltweit grenzüberschreitend, der Wettbewerb wird weiter zunehmen", erwartet Harald Gutschi, Geschäftsführer der Unito-Gruppe, zu der die Versandhändler Otto, Quelle und Universal gehören. Die Post AG bietet beispielsweise seit kurzem ein neues Service für Bestellungen in den USA und Großbritannien, auch wenn Händler nicht nach Österreich liefern.

Unito rüstet sich für Onlineriesen Alibaba aus China

Nach dem mit 25 Milliarden Euro weltweit größten Börsengang im September wird Alibaba auch in seine Präsenz in Europa und Österreich investieren, erwartet Gutschi. Zu dem an der New Yorker Börse notierten Internetkonzern gehören unter anderem eine gleichnamige Großhandelsplattform, der Onlineshop Tmall und die Auktionsplattform Taobao. Vor dem Mitbewerber "fürchten wir uns nicht", so Gutschi. Unito investiert im kommenden Jahr 15 Millionen Euro in E-Commerce.

Derzeit wirkt die deutsche Version des Alibaba-Onlineshops jedoch noch nicht sehr vertrauenserweckend - es finden sich aufgrund automatischer Übersetzung viele Rechtsschreib- und Übersetzungsfehler. So wird "Jungfrau-brasilianisches Menschenhaar" oder "Fuß mit realistischen dino kostüm" angeboten, wie ein Blick auf die Seite zeigt. Auch Blutlaugensalz oder Karusselle für Vergnügungsparks sind im Sortiment.

Das Konzept des Konzerns, das den ehemaligen Englischlehrer Jack Ma zum reichsten Chinesen gemacht hat, geht jedenfalls auf: Das vor 15 Jahren gegründete Unternehmen, an dem der Internet-Pionier Yahoo beteiligt ist, macht im Gegensatz zum US-Konkurrenten Amazon Gewinn.

Der in Österreich nach Umsatz größte Onlinehändler Amazon schreibt nämlich derzeit wegen seiner aggressiven Expansion in neue Geschäftszweige Verlust. Dem Drittplatzierten Zalando machen hohe Retourenquoten zu schaffen. "Junge Kundinnen weisen ein kritisches Retourenverhalten auf - mit ihnen ist kaum Geld zu verdienen", erklärt Gutschi, warum Unito auf eine vergleichsweise ältere Zielgruppe setzt. Bei Universal und Ottoversand, die laut dem EHI Retail Institute auf Platz 2 und 4 der Onlinehändler Österreichs liegen, sind Kunden durchschnittlich 44 beziehungsweise etwas unter 40 Jahre alt.

Bestellungen über
Smartphones legen kräftig zu

Der Onlinehandel stand im Vorjahr für neun Prozent der Einzelhandels-Umsätze in Österreich. 2020 könnte laut Regioplan jeder vierte Euro online ausgegeben werden. Die Unito-Gruppe geht sogar davon aus, dass jeder dritte Euro in den Internethandel geht.

Welche Auswirkungen der zunehmende Onlinehandel auf etablierte Händler hat, zeigt sich bei der Unito-Gruppe: Die ehemals für ihre mehrere hundert Seiten dicken Kataloge bekannten Händler haben im November bisher 90 Prozent ihrer Umsätze im Internet erzielt. Am meisten eingekauft wird am späten Nachmittag sowie abends zwischen 20 und 22.30 Uhr - "Couch Commerce" nennt das Gutschi. Bestellt wird heutzutage nicht mehr nur am PC, Laptop oder Tablet, sondern zunehmend über das Smartphone. Im Jahr 2017 werden 80 Prozent der Unito-Umsätze über mobile Endgeräte abgewickelt werden, erwartet Gutschi. Der Katalog ist zwar nicht verschwunden, aber wesentlich dünner: Er dient als Schaufenster und soll Kunden in Onlineshops locken.

Am Samstag startet für Unito das Weihnachtsgeschäft, Gutschi rechnet mit zehn Prozent Umsatzplus im Vergleich zum Vorjahr. Für den Gesamthandel erwartet der Unito-Chef aufgrund von sinkenden Reallöhnen "ein schwieriges Weihnachtsgeschäft".