Selten hat man die Möglichkeit in einem Jahr sowohl von Microsoft, als auch von Apple ein neues Betriebssystem zu testen. Heuer ist es wieder einmal soweit. Microsoft wird am 29. Juli mit seinem Windows 10 zum nächsten großen Showdown gegen Apples im Herbst erscheinendes Mac OS X "El Capitan" in den Ring steigen. Grund genug, die beiden Systeme einem direkten Vergleich zu unterziehen. Ein erster Blick zeigt, dass Veränderungen durchaus ihr Gutes haben können.

Mac OS X "El Capitan", als Namensgeber fungierte hierbei die bekannte Gesteinsformation im US-amerikanischen Yosemite Nationalpark, wird zahlreiche Updates, sowohl was die Performance, aber auch das Userinterface betrifft, bieten. Windows 10 soll hingegen den mäßig erfolgreichen und unbeliebten Vorgänger Windows 8 mit neuen, aber auch wiedergekehrten, bekannten Funktionalitäten vergessen machen. Daher ist der erste logische Schritt auch wieder weg vom Windows 8-Aussehen, zurück zu Altbekanntem. Kurz gesagt: Windows 7 mit der Wiederkehr des Startmenüs. Die Anwender sollen jedoch mehr Möglichkeiten für die Personalisierungen mit dem "Kachel"-Design bekommen.

Sprechen und Wischen

Apple hingegen wird hingegen keinen großen Schritt weg von "Yosemite" machen, sondern setzt mehr auf eine visuelle Überarbeitung. Ein sinnvolles Update wird etwa ein vergrößerter Cursor sein, den man gleich beim Einschalten des Rechners am Bildschirm sehen wird.

"Cortana", Microsoft Sprachassistent, wird eine Schlüsselrolle in Windows 10 spielen. Das Tool soll die Präferenzen des Anwenders Schritt für Schritt mitlernen, Erinnerungen setzen und diese zur richtigen Zeit am richtigen Endgerät ausliefern. "Cortana" wird dabei unabhängig arbeiten können, weil es sich um eine sogenannte Cloud-Anwendung handelt. Interessant ist daher auch, dass Apple weiterhin seinen - vom iPhone bekannten Sprachassistenten - "Siri", weiterhin nicht auf den Desktop-Rechner bringen wird. Dafür wurde allerdings die "Spotlight"-Suche verbessert und auch eine Sprachsuchfunktionalität integriert. Apple hat zudem die Intelligenz seines Betriebssystems auch in die Apps einfließen lassen. So können sich unter anderem in der E-Mail-App über die Sprachsuche Nachrichten suchen lassen. Hinzu kommen neue "Wischgesten", die an die bekannten iPhone-Mail-App erinnern.

Microsoft setzt hingegen auf ein Betriebssystem für alle Endgeräte - von Desktop über Tablet bis zum Smartphone wird Windows 10 eingesetzt werden. Das neue Betriebssystem soll zudem Apps an das jeweilige Endgerät anpassen können, um so das Beste für die jeweilige Umgebung aus der Anwendung herauszukitzeln. Sowohl Apple als auch Microsoft wollen mit der neuen Software auch im Punkt "Security" Neues bringen. Apple unter anderem ein Sicherheitssystem mit dem Namen "Rootless", das Schadsoftware blockieren und Daten besser vor unbefugten Zugriffen schützen soll. Microsoft setzt auf eine Entwicklung namens "Device Guard", die Attacken auf Infrastrukturen unterbinden soll. Außerdem sollen biometrische Systeme, wie etwa "Windows Hello" die Endgeräte mittels Gesichtserkennung, Iris-Scan oder Fingerabdruck entsperren und traditionelle Passwörter obsolet machen.

Anders ins Netz

Beide Hersteller werden auch neue oder stark verbesserte Browser ins Rennen schicken. Apples Safari bekommt kleine Features, wie etwa einen kleinen Button, der Musik oder Videos in Fenstern auf Stumm schaltet oder "Pinned Tabs", das mehrere Browserfenster leichter zugänglich macht. Microsoft setzt wiederum auf eine komplette Neuentwicklung. Unter dem Codenamen "Project Spartan" entwickelt, wird der neue Browser nun Microsoft Edge heißen. Allerdings wird sich hier erst in der Praxis zeigen, was das Tool wirklich kann.

Wer nun aber den richtigen Moment sieht beiden Herstellern zu entkommen, der sollte einige neue und interessante Linux-Distributionen ins Auge fassen. Diese stechen aus der Menge heraus und bieten auch eine gute Alternative zu Ubuntu, Arch, Mint, Fedora, SUSE oder Debian.

Da wäre etwa "Evolve OS", das sich einfach und intuitiv bedienen lässt, oder "SparkyLinux GameOver Edition", die sich speziell an Spieler richtet oder aber "Korora" das den Anwendern zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten bietet, dabei aber schnell einsatzbereit ist. Alles in allem wird 2015 ein gutes Jahr für ein neues und schöneres Arbeiten am Computer - egal auf welcher Plattform.