Wien. An einem heißen Sommertag werden syrische Flüchtlinge von der Freiwilligen Feuerwehr in Oberösterreich mit einer Wasserdusche aus dem Feuerwehrschlauch abgekühlt. Ein Foto der lachenden sechsjährigen Dunja hält den Moment fest. Der Porsche-Lehrling Jürgen H. kommentiert: "Flammenwerfer währe da die bessere Lösung" (Rechtschreibung immer im Original Anm.). H. verliert seine Lehrstelle.

Als es vergangene Woche vor dem Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen brannte, hinterließ eine Spar-Führungskraft aus Graz die Worte: "was? in den Gebäude wäre besser. schlecht gezielt." Die Dame verliert ihren Job.

Das Rote Kreuz entlässt zwei Mitarbeiter, nachdem sie nach ihrer Arbeit in einer Unterkunft von "reinen Schmarotzern und Wirtschaftsflüchtlingen" schrieben.

Der steirische ÖAMTC-Pannenfahrer Marko N. bastelt sich eine Warnwesten-Burka, lädt das Foto auf Facebook hoch und schreibt: "Das ist die Dienstkleidung unserer schalterdamen." Er bekam am Donnerstag beim Gespräch mit seinem Chef eine "klare Abmahnung" - aber eine zweite Chance.

"Gehören runtergschossen vom Balkon dieses gsindel", tippt der PR-Profi Rudi Fußi auf Twitter. Diesmal geht es nicht um Flüchtlinge oder Rassismus im Allgemeinen, sondern um den Protest der rechten Indentitären-Bewegung, die den Balkon der EU-Agentur für Grundrechte über eine Leiter erklomm. "Gewalt ist immer scheiße. Diese identitaeren Idioten haben mich das kurz vergessen lassen. Eine Fehlleistung meinerseits", beschwichtigte Fußi später. Konsequenzen gab es für ihn keine. Dass die Spar-Führungskraft ihren Job verloren hat, goutiert Fußi auf Twitter. Nicht nur im Schutz der Anonymität agieren User enthemmter im Internet. Allgemein herrscht im Netz das Gefühl der Konsequenzenlosigkeit. Wie nachvollziehbar ist die neue Selbstjustiz im Netz? Die Meinungen darüber gehen auseinander (siehe Kasten).

Hinter der Porsche-Aktion steckt eine geheime Facebook-Gruppe, die sich formiert hat, um Hetz-Postings und NS-Wiederbetätigung im Netz aufzuspüren. 80 Anzeigen gehen auf das Konto der 300 Mitglieder.

Keine zweite Chance

Porsche gibt seinem früheren Lehrling keine zweite Chance. Das Unternehmen handelte. Auch aus Eigeninteresse. Als "zu harte Reaktion" bezeichnete es der Tiroler S.T., der das Unternehmen auf den Eintrag aufmerksam machte. "Eine Verwarnung hätte es auch getan", sagt er heute. Auch Spar hält an seiner Maßnahme fest. Ein internationaler Konzern könne dieses Verhalten nicht dulden und eine Führungskraft hätte eine Führungsfunktion. Das Rote Kreuz verwies wiederum auf Social-Media-Regeln, die jeder Mitarbeiter einzuhalten habe, und auf eine Null-Toleranzpolitik bei Fremdenfeindlichkeit.