Berlin/Wien. Fotos per USB-Stick zu transportieren ist Schnee von gestern. Das greifbare Fotoalbum gilt ohnedies schon als Relikt aus Methusalems Jugend. Rund ein Drittel der Österreicher nimmt sogenannte Cloud-Dienste in Anspruch. Von den 16 bis 24-Jährigen nutzen sogar 70 Prozent die "Wolke". Dabei werden Daten, wie beispielsweise Fotos, Dokumente, Lebensläufe oder Ähnliches ins Internet hochgeladen und stehen dann immer und überall zur Verfügung, wo es einen Internetzugang gibt - egal ob Handy oder Computer, egal ob Scheibbs oder Nebraska.

Doch NSA-Affäre und die systematische Durchforstung von Daten durch US-Geheimdienste haben das ihrige dazu beigetragen, die Nutzer von Cloud-Diensten zu verunsichern. Denn auch wenn der Name suggeriert, dass sich die Daten irgendwo im Himmel befinden, so handelt es sich dabei doch um nichts anderes als das Speichern an einem entfernten Ort mittels Internetverbindung. Und dieser Ort kann dann schon einmal in den USA liegen.

Höhere Datenschutzstandards

Während in den USA die Hürden relativ niedrig sind, um Daten durch die US-Behörden ausspionieren zu lassen, sind sie in Europa um einiges höher. Vieles von dem, was in den USA einfach einmal flockig an Beamte weitergegeben wird, ist in der EU ungesetztlich. Letztlich hat ein Österreicher dafür gesorgt, dass das vom Europäischen Gerichtshof schwarz auf weiß bestätigt wurde. Er klagte Facebook und bekam recht. Denn wer das soziale Medium nutzt, hinterlässt Daten - von Fotos bis hin zu delikaten Informationen - und diese werden an Server in den USA übermittelt. Das oberste europäische Gericht entschied, dass die USA nicht mehr als sogenannter Safe Harbour, also sicherer Hafen in Datenschutzbelangen gelten. Europäische Nutzerdaten dürfen also nicht länger ohne weiteres in die USA übermittelt werden.

Eine erfreuliche Entscheidung für die Privatsphäre von Privatpersonen. Doch die Dimension ist um einiges größer. Denn die Cloud ist nicht nur auf private Nutzer beschränkt. Unternehmen, die sich nicht eigene Server, Großrechner und Computeranwendungen leisten wollen oder können, greifen auch gerne auf die Wolke zurück. Auch für sie gelten die neuen Datenschutzregeln.

Damit stehen Anbieter von Cloud-Diensten verstärkt in der Pflicht auf Wahrung des Datenschutzes. Das können beispielsweise amerikanische sein, aber auch europäische, die die Daten auf amerikanischen Servern speichern. Experten sind nämlich der Ansicht, dass Anwender Cloud-Dienstleistungen nur dann in Anspruch nehmen dürfen, wenn sie in der Lage sind, die geltenden Datenschutzanforderungen zu erfüllen. Im Klartext haften also Unternehmen, die ihren Kunden Cloud-Dienste anbieten, für den Datenschutz.

Was also tun? Microsoft ist am Mittwoch vorgeprescht und hat angekündigt, seinen Kunden künftig eine "deutsche Cloud" anzubieten. Dafür wird der Softwarekonzern zwei Rechenzentren der Deutschen Telekom in Frankfurt am Main und in Magdeburg nutzen, kündigte Microsoft-Chef Satya Nadella in Berlin an. Kunden hätten damit die Option, künftig ihr Cloud Computing über deutsche Rechenzentren abzuwickeln. Grundsätzlich ist das nichts Neues. Der Online-Händler Amazon etwa bietet Cloud-Dienste aus einem Rechenzentrum in Deutschland an. Microsoft geht allerdings noch einen Schritt weiter und beauftragt dafür einen Treuhänder.

Während die ganze Hardware wie Rechner und Server von dem amerikanischen Unternehmen stammen, wird die Telekom-Tochter T-Systems International den Zugang zu den Kundendaten kontrollieren und überwachen. Microsoft habe damit keinerlei Zugriff auf die Daten, betont das amerikanische Unternehmen.

Unternehmer skeptisch

Die Hardware in Frankfurt und in Magdeburg gehört Microsoft, da der Konzern weltweit die gleiche Technik und die gleiche Architektur für seine Cloud-Services verwendet, um überall die gleichen Servicezusagen sicherstellen zu können. Die Rechenzentren selbst werden von der Telekom betrieben. Durch das Treuhänder-Konstrukt haben Microsoft und seine Auftragnehmer keinen eigenständigen Zugriff auf die Daten, ohne dass T-Systems oder der Endkunde dies ausdrücklich genehmigt haben.

Bleibt abzuwarten, ob das Unternehmer dazu animieren wird, verstärkt auf Cloud Computing zurückzugreifen. Denn einer von Microsoft in Auftrag gegebenen Umfrage zufolge misstrauen österreichische Unternehmer der Cloud. 44 Prozent der Befragten sorgen sich um die Sicherheit ihrer Daten, wenn diese in der Cloud gespeichert werden. Der meistgenutzte Anwendungsfall für Cloud-Dienste ist weiterhin E-Mail, das aber auch nur von 19 Prozent der Befragten genutzt wird.