Weihnachtsgeschenke in letzter Minute. Man sitzt gestresst vorm Bildschirm, klickt sich durch Angebote, findet endlich etwas – und vergisst in der Hektik jede Vorsicht. Dabei sollte eines klar sein: Betrüger kennen keinen Weihnachtsfrieden. Im Gegenteil, vor den Festtagen sind sie aktiver denn je.

Wer nicht abgezockt werden will, prüft daher zunächst Ruf des Onlinehändlers. Wenn es sich nicht um ein bekanntes Unternehmen handelt, sollte man nach Zertifikaten wie Trusted Shops oder EHI suchen. Größere Geschäfte in Deutschland nutzen oft das vergleichsweise teure TÜV-Siegel. Das Gütesiegel sollte natürlich klickbar und mit dem jeweiligen Zertifikat sein. Eine hübsche Grafik kann schließlich jeder auf seine Website stellen. EHI listet zur Zeit zwanzig Websites auf, gegen die wegen missbräuchlicher Verwendung des Siegels gerichtlich vorgegangen wird.Trusted Shops bietet über die Prüfung des Anbieters hinaus einen kostenlosen Käuferschutz bis 2500 Euro, gegen eine Gebühr sind auch höhere Summen möglich. Außerdem hat man eine kostenlose Browsererweiterung für Firefox und Chrome entwickelt, die den User automatisch informiert, sobald er einen virtuellen Laden betritt.

Der Nachteil der Zertifikate ist ihr Preis, der kleine, spezialisierte Händler leicht abschreckt. Doch auch bei diesen erkennt man Betrüger meist recht schnell. Zu prüfen ist, ob die Website ein plausibles Impressum hat, das den Firmensitz weder auf den Bahamas noch in Weißrussland verortet. Dass man bei Domainendungen wie .to (Tonga) misstrauisch wird, sollte sich von selbst verstehen. Schließlich wird das neue Notebook ja nicht per Wasserflugzeug aus Polynesien geliefert, Das bedeutet natürlich nicht, dass man einer Domain vom Typ .at oder .de grundsätzlich trauen kann. Technikaffine Konsumenten können sich auf jeden Fall mit einer WHOIS-Abfrage Hintergrundinformationen zu den Betreibern des Geschäfts beschaffen.

Eine rasche Googlesuche nach dem Namen des Shops oder seinen Angeboten bringt allfällige negative Erfahrungen schnell zutage. Und schließlich gibt es Listen von fragwürdigen Websites, etwa das umfangreiche Verzeichnis bei Watchlist Internet.

Grundsätzlich sollten – wie in der analogen Welt – extrem günstige Preise misstrauisch machen: Wer ein freigeschaltetes iPhone 6s um 90 Euro anbietet, handelt bestenfalls mit einer schlechten Kopie, Wenn Sie Pech haben, sehen Sie aber selbst diese Ware nicht, weil der Betreiber mit dem Geld vieler Dummer längst Urlaub auf den Malediven macht.Angebote voll Rechtschreibfehlern und falschen Sonderzeichen oder in einem seltsamen Deutsch oder Englisch sollten alle Alarmglocken schrillen lassen. Wer sein Angebot mittels Google Translate übersetzt, kann auch nicht mit Kunden in dem jeweiligen Sprachgebiet kommunizieren. Wobei es fraglich ist, ob er das überhaupt vorhat.

Leisten Sie schließlich keine Vorauskasse, sondern nutzen Sie zertifizierte Bezahldienste. Wer auf eine möglichst rasche Überweisung über Western Union oder Moneygram besteht, ist im besten Fall ein Steuerbetrüger. Nebstbei ist die Wahrscheinlichkeit, danach weder Ware noch Geld zu sehen, ziemlich hoch.

Für größere Ausgaben empfiehlt sich ein Treuhandservice (Escrow) wie etwa Iloxx von eBay. Dabei überweist der Käufer den Kaufbetrag plus Gebühren auf ein Treuhandkonto. Sobald der Eingang bestätigt wurde, verschickt der Verkäufer die Ware. Nach dem Einlangen der Ware beim Käuferwird der Kaufbetrag an den Verkäufer überwiesen. Die Gebühren betragen meist nur ein paar Euro, bei anteilsmäßiger Berechnung sollten sie nicht mehr als ein Prozent des Kaufpreises erreichen.