Im Jahr 1987 erfand Steve Wilhite, der damals bei der Firma CompuServe, dem ersten Online-Dienst der USA, arbeitete, das Dateiformat Graphics Interchange Format, kurz Gif. Es zeigte ein grobkörniges Flugzeug. Mithilfe eines animierten Gif ist es möglich, kurze Bildfolgen in einer komprimierten Form festzuhalten. Die Downloadgeschwindigkeiten zu dieser Zeit waren so niedrig, dass es undenkbar gewesen wäre, ein Video durchs Netz zu schicken. Entsprechend low-tech, also technisch wenig anspruchsvoll, war das Format. Es wirkte anfänglich eher wie die Spielerei von ein paar Nerds. Trotzdem hat das Dateiformat die Jahre überdauert. Der Blogdienst Tumblr ist zum Museum dieser bewegten Kunst geworden, hier gibt es alle möglichen Exponate, von Comics über politische Kommentare bis zum Expressionismus. "Ein Triumph der Geschwindigkeit und Kompression", schrieb die "New York Times" über das Gif, es sei in der Lage, sich schneller zu bewegen als die Internetkultur.

Da ist etwas dran. Gifs sind heute die ästhetische Visitenkarte der Internetkultur. Das Weiße Haus Bilder zeigte ein Gif eines startenden Präsidentenhelikopters. Yahoo verkündete die Übernahme von Tumblr mit einer kleinen Bilderfolge beider Firmenlogos, verbunden mit dem beliebten Motiv der Keep-Calm-Schilder.

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Post-Sprache-Gesellschaft

Das Internet sieht eine Explosion von Gifs. Seitdem Facebook seinen Nutzern erlaubt, das Dateiformat in ihrer Timeline einzustellen, quellen die Newsfeeds von Gifs über. Twitter hat sogar eine eigene Suchfunktion für Gifs eingerichtet. Mit Giphy gibt es seit 2013 sogar eine eigene Suchmaschine für Gifs. Sie funktioniert ähnlich wie YouTube. Man gibt einen Suchbegriff wie USA oder Trump ein, schon spuckt das Portal relevante Gifs aus, die man dann in Blogs oder sozialen Netzwerken posten kann.

Allein für Trump gibt es über 3000 Treffer, die seine Frisur ridikülisieren oder seine simplifizierenden Botschaften aufs Korn nehmen. Giphy ist zu einer Art To-Go-Bibliothek für dreisekündige Bewegtbilder geworden. Auf der Plattform werden jeden Monat Milliarden neuer Gifs eingestellt. Das Unternehmen hat einen Marktwert von 300 Millionen Dollar.

"In diesem Jahr", schrieb der Journalist Kevin Maney kürzlich im US-Magazin "Newsweek", "verwandeln sich Gifs in eine Industrie und werden eine eigene neue Sprache, eine, die vollständig über Emotionen und frei von Fakten und Kontext funktioniert." Maney sieht uns auf dem Weg in eine Post-Sprache-Gesellschaft, die es "zur Kommunikation vorzieht, einen süßen Clip einer Gitarre spielenden Katze zu versenden". Bildfolgen ersetzen die Schrift. Wer braucht noch Wörter, wenn man animierte Gifs versenden kann? "Jahrzehntelang waren Gifs Dekorationen", schreibt Maney, "jetzt werden sie Kommunikation".