Das Herz rast. Jeder kleinste Fehler könnte die Niederlage bedeuten. Eine Sekunde der Unkonzentriertheit und alles war umsonst. Auf Profi-Computerspieler lastet ein hoher Druck. Das Stresshormon Cortisol wird in so großen Mengen ausgeschüttet, wie es sonst bei Formel-1-Fahrern üblich ist. Der deutsche Wissenschaftler Ingo Froböse stellte das in einer Studie fest.

Doch auch der restliche Körper der Profi-Spieler wird erheblich belastet. So erhöht sich der Puls während den Spielen auf 160-180 Schläge pro Minute – vergleichbar mit dem eines Marathonläufers. Bei der Hand-Auge-Koordination, also dem Zusammenspiel von optischer Wahrnehmung und Bewegung des menschlichen Körpers, gibt es gar keine vergleichbaren Sportarten, bei der diese mehr beansprucht wird. Reflexe, Genauigkeit und Timing entscheiden genauso über Sieg und Niederlage wie Teamfähigkeit und Taktik. All diesen Fakten zum Trotz, gilt eSport hierzulande nicht als Sportart.

Denn in Österreich ist erst dann etwas ein Sport, wenn ein Verband für die jeweilige Sportart bei der Bundessportorganisation (BSO) ordentliches Mitglied ist. Jedoch muss der Computersport erst einmal aufgenommen werden und das ist nicht einfach. Denn es müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Zuallererst müsste es eine Verbands- und Vereinsstruktur geben. Um als Sport zu gelten, braucht es überdies mindestens 1000 Menschen, die diesen ausüben. Die Mitgliedschaft beim BSO ist auch Voraussetzung für Förderungsgelder.

eSport-Bundesliga ist noch Zukunftsmusik

Derzeit bezieht eSport keine Sportförderung. Sie würde ihm dabei helfen, eine bessere Vereinsstruktur aufzubauen und damit auch zur Gründund von eSport-Vereinen beitragen. Zukünftig könnte es dann sogar eine eSport-Bundesliga geben. Die in der BSO vertretenen Verbände haben bei der Entscheidung, ob ein Verband aufgenommen wird, allerdings ein Mitspracherecht.

Laut Stefan Baloh vom österreichischen eSports-Verband sei man bereits in Gesprächen mit dem Sportministerium. Die Vereinsstruktur sei bereits seit zweieinhalb Jahren erfüllt. Doch bis in Österreich für eSport die gleichen Bedingungen wie für Fußball oder Tennis gelten, werden noch einige Jahre vergehen, so Baloh.

Spieler haben Probleme bei der Einreise

Selbst in Deutschland, dem europäischen Hauptsitz für Turniere und Meisterschaften, ist eSport bloß ein Spiel. "League of Legends" ist aktuell das meistgespielte Computerspiel und lässt sich in die Kategorie der "Multiplayer Online Battle Arena"(MOBA) einordnen. Profispieler dieses Spiels, die in der sogenannten "League Championship Series"(LCS) spielen, müssen wöchentlich live in Berlin vor einem riesigen Publikum spielen, vergleichbar mit der Fußball-Bundesliga.

Doch das stellt die Spieler vor ein schwerwiegendes Problem. Falls ein Spieler nun nicht aus einem Schengenstaat kommt, braucht dieser ein Arbeitsvisum als Athlet, um an den wöchentlichen Spielen für sein Team teilzunehmen. Da Profi-Computerspieler allerdings keine anerkannten Sportler sind und andere Arbeitsvisa-Kategorien wie Künstler, Spezialist oder Teil einer TV-Produktion nicht zutreffen, gibt es immense Schwierigkeiten für diese Spieler, einzureisen. Darum stellte die deutsche Piratenpartei einen Antrag im Berliner Abgeordnetenhaus, dass eSport auf Bundesebene offiziell als Sport anerkannt wird. Allerdings lehnten das Berliner Parlament den Antrag ab. Bereits Anfang des Jahres hielt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) in einem Gutachten fest, dass bei eSport eine "sportartbestimmende motorische Aktivität" fehlt. Diese braucht es, um als Sportart anerkannt zu werden.

Dies ist nicht überall so. Vor allem in asiatischen Ländern ist eSport als Sport anerkannt und äußerst beliebt. Aber auch die USA und europäische Staaten wie Schweden und Frankreich betrachten den Computersport als Sport. Bis April 2016 fiel der eSport in Frankreich unter die Kategorie des Glücksspiels und war somit verboten. Doch durch neue Gesetze gelten die Profi-Computerspieler als Sportler, sofern sie bei einer anerkannten eSport-Organisation unter Vertrag stehen. Dadurch könnte sich die eSport-Szene nach Frankreich verlagern. Es dauert jedoch noch lange, bis in Europa der Computersport so beliebt sein wird wie in Südkorea. Denn dort werden Spieler wie "Faker" oder "Bang" gefeiert, wie hierzulande Marcel Hirscher & Co.