Für alle, die binären Code nicht flüssig lesen, die Übersetzung: "Sapere aude" - © Grafik: WZ
Für alle, die binären Code nicht flüssig lesen, die Übersetzung: "Sapere aude" - © Grafik: WZ

Neue Technologien, innovative Ideen und die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg ermöglichen dem Einzelnen ungeahnte Möglichkeiten. Schaffen aber auch neue Bedrohungen.

Die digitale Aufklärung hat begonnen, nun muss die Menschheit aber erst noch lernen, damit zu leben.

Die Grundvoraussetzungen

Die Frage ist nicht, ob die neue (digitale) Aufklärung schon begonnen hat – natürlich hat sie das, ob man will oder nicht. Die Frage ist vielmehr, wie sich die Menschheit positionieren will, welch neuer Denkmuster und Überlegungen es bedarf, um Nutzen für die Gesellschaft daraus zu ziehen. Welche Entwicklungen gibt es schon und welche Grundvoraussetzungen müssen gegeben sein, um eine wirkliche neue Aufgeklärtheit und Freiheit zu erreichen und eben nicht in einer digitalen Blase gefangen zu sein – befreit von alten, aber versklavt von neuen Götzen und Pseudo-Idealen.

Als Wahlspruch der Aufklärung bezeichnete Immanuel Kant das horazische: "Sapere aude!". Wie würde dieses "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen", wohl in der digitalen Welt aussehen? Scheint doch gerade in der virtuellen Welt der Verstand zu wenig genutzt und auch eine "digitale Intuition" hat sich noch nicht entwickelt. Wie sonst könnten Hass-Postings, Hate Speech, aber auch Phisihing-Attacken oder Geldüberweisungen auf Konten völlig fremder Menschen zu erklären sein?

Herausforderungen und Ängste

Der Mensch und die Technologie. Unendliche Weiten, Ängste, Herausforderungen und Neuerungen. Immer kürzer scheinen die Zeitspannen zwischen neuen Entwicklungen zu sein, die das Leben der Menschheit verbessern, vereinfachen oder versüßen sollen. Doch damit Schritt zu halten, wird immer mehr zur großen Herausforderung. Somit überrascht es nicht wirklich, dass Kants Warnung vor dem Gift unserer Bequemlichkeit, die er gleichzeitig mit dem "Sapere aude" aussprach, aktueller denn je ist: "Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen. . . es anderen so leicht macht, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein."

Seine Gedanken hallen nach, doch im aufbrechenden digitalen Zeitalter droht aus der Unmündigkeit eine vollständige selbstgewählte Entmündigung zu werden. Daten werden an Großkonzerne ausgeliefert, der Mensch bleibt in seiner Blase in den sozialen Netzwerken und aus Bequemlichkeit wird ein modernes Gefängnis. Anstelle (frei) verfügbarer Information und Wissenstransfer, gibt es personalisierte Werbung, Kontrollen und vollständige Hingabe an digitale Großmächte und Autoritäten.