Die Technologiegespräche in Alpbach sind auf der Suche nach neuen Wegen und Werkzeugen zur Reise ins Zeitalter der neuen Aufklärung. Die Wissenschaft bringt radikale neue Einsichten, neue Fragen stellen sich. Wie viel muss der Mensch über sein genetisches Erbe wissen, wie damit umgehen? Welche Rolle übernehmen künftig Roboter oder gar Mutanten in der Gesellschaft? Wo sind nun die Pioniere im Zeitalter von Internet der Dinge und Industrie 4.0? Und welche Wege finden Kollaborationen und Austausch zwischen Kunst, Wissenschaft und Technologie, um sich heutigen Herausforderungen zu stellen? Trends wie Open Innovation oder neue, kooperative Forschungs- und Geschäftsmodelle zeigen sich schon.

Nicht alle müssen Programmierer werden

Ein wesentlicher Schritt, ein radikaler vielmehr und einer der vielen Menschen nahezu denkunmöglich scheint, muss am Beginn stehen. Die Herausforderungen werden nicht gemeistert werden, wenn die Menschheit nun Programmieren lernt, wenn man Kinder in Demokratie- und Politische-Bildung-Kurse steckt. Nein. Das hilft wenig. Vielleicht ein bisschen - an der Oberfläche. Es muss darum gehen, die basalen menschlichen Bedürfnisse nicht nur zu befriedigen, sondern wiederzuentdecken, zu fördern und den Verstand herauszufordern. Diskurse, Kommunikation, kollaboratives Arbeiten, Mut neue Wege zu denken und Schritte zu setzen, für die es keinen Machtzuwachs oder monetären Gewinn gibt, zumindest nicht in der Form des modernen Turbokapitalismus-Denkens. Schon in der Schule müssen neue Ansätze etabliert werden. Obrigkeiten in Frage stellen, zum Beispiel, zusammen arbeiten, über Themen reden, die einen wirklich beschäftigen und so neue, gemeinschaftliche Lösungen zu finden. Es geht um Empathie, gewaltfreie Problemlösung, um Menschlichkeit und einen Weg weg von Ellbogen-Technik und Gewinnmaximierung. Es geht um das Wiedergewinnen von Vertrauen – nicht nur in seiner eigenen, kleinen Welt, sondern in der gesamten Menschheit.

Die Technologien sind bereits vorhanden, aber weitgehend ungenutzt. Schlagworte, wie Big Data, eGovernment und StartUp-Szene schwirren im Raum herum, obwohl das Radikale längst in anderen Begrifflichkeiten der digitalen Welt lebt. "Liquid Democracy" etwa. Wie lange kann man das politische System in dieser Form noch aufrechterhalten? Repräsentanten, für ein paar Jahr gewählt, treffen Entscheidungen und das war es dann? Unter "Liquid Democracy" versteht man eine Mischform – vielmehr eigentlich einen fließenden Übergang zwischen indirekter und direkter Demokratie. Jeder Teilnehmer kann selbst entscheiden, wie weit er seine eigenen Interessen wahrnehmen will, oder wie weit er von Anderen vertreten werden möchte. Der Delegat kann jederzeit sein dem Delegierten übertragenes Stimmrecht zurückfordern, und muss hierzu nicht bis zu einer neuen Wahlperiode warten. Wie viel Staat braucht es noch? Dabei ist auch zu bedenken, dass derzeit vielfach Aufgaben des Staates an Großkonzerne gehen, auch diese Abhängigkeiten gilt es zu beenden und zu hinterfragen oder zumindest einmal breit zu diskutieren.