Auch Samsung-Manager Knight räumt ein, dass auf die Branche noch viel Arbeit wartet. "Smartphones haben sich über 20 Jahre technologisch fundamental gewandelt, und bei Smartwatches stehen wir mit der Entwicklung noch ganz am Anfang." Von der ursprünglichen Hoffnung, mit den neuen Uhren die Abhängigkeit vom hartumkämpften Smartphone-Markt zu lösen, müssen sich Apple, Samsung und Co. vorerst verabschieden. Gartner zufolge werden dieses Jahr 30 Millionen Smartwachtes weltweit über den Ladentisch gehen. Bei Smartphones sind es ähnlich viele, allerdings am Tag. Nach Aussagen von Jan Wassmann, Experte beim Marktforschungsinstitut GfK, müssen sich die Handy-Riesen umstellen. "Der Erfolg des Smartphones lässt sich nicht einfach mit jeder anderen Produktkategorie wiederholen." Es werde nicht das nächste große Ding in der Unterhaltungselektronik geben, sondern viele kleinere und billigere Netz-Geräte.

Fitness-Armbänder als die besseren Smartwatches

Und wie häufig bei neuen Technologien kommt mit der Zeit für jede Anwendung ein eigenes Gerät auf den Markt. Smartwatches wie die von Apple seien gute Allzweckgeräte, sagt Zimmermann. "Aber es gibt viele Fitness-Armbänder, die bestimmte Aufgaben besser machen." Dazu gehöre etwa die Messung von Schritten und Entfernungen. Zudem seien die sogenannten Fitness-Tracker günstig. Und technologisch sei noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. "Es wird daran gearbeitet, dass die Uhren Bewegungsabläufe viel besser aufzeichnen wie etwa den Schlag beim Golfen." Die Uhr könnte den Sportler dann beim nächsten mal korrigieren.

In einer Umfrage der DKV-Versicherung gaben 89 Prozent der Befragten an, sich kein digitales Armband kaufen zu wollen. Bei denjenigen, die schon eines hatten, liegt es demnach ungenutzt rum. Den Befragten war nach eigenen Angaben die Nutzung zu anstrengend, oder das Fitnessarmband ging ihnen schlicht auf die Nerven. "Verbraucher akzeptieren keine komplizierten Produkte mehr", sagt Wolfgang Neubarth von der GfK. Mehr als die Hälfte der Konsumenten verliere das Interesse an einem neuen elektronischen Gerät, wenn es zu schwierig zu bedienen sei.

Aber eines haben die anfangs von den großen Uhrenherstellern wie Swatch belächelten digitalen Helfer geschafft, nämlich ein darbende Industrie zu beleben. Seit dem Debüt der Apple Watch vor anderthalb Jahren wächst der Uhren-Absatz in Deutschland wieder. 2014 hatte die Industrie noch ein Minus von zehn Prozent verzeichnet.