Wien. Ähnlich wie im österreichischen Bankensektor findet auch in der heimischen Versicherungsbranche ein Umbruch statt. Ob es nun die wesentlich strengeren Eigenkapitalvorschriften des neuen, europaweit geltenden Regelwerks "Solvency II" sind; ob es das lang andauernde Zinstief ist oder der Klimawandel, der für immer mehr Naturkatastrophen sorgt; oder die zunehmend höhere Lebenserwartung der Menschen oder aber die Digitalisierung und auch das Thema Cyber-Risiko: Seit Jahren sehen sich Versicherungsfirmen vor eine Reihe neuer Herausforderungen gestellt.

Dazu kommt, dass hierzulande wie bei den Banken ein scharfer Konkurrenzkampf herrscht - etwa in der Autoversicherung, aber auch beim Altersvorsorgeprodukt Lebensversicherung. Wobei "niedrige Erträge" den Druck zu Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen erhöhten, wie aus einem am Freitag vorgelegten Branchenbericht der Finanzmarktaufsicht (FMA) hervorgeht.

All dies scheint jedenfalls eine Marktbereinigung zu begünstigen. Daten der FMA untermauern das: Demnach ist die Zahl der in Österreich zugelassenen Versicherer in den vergangenen fünf Jahren um 16 Prozent auf 89 geschrumpft.

Mehrere Fusionen

Reduziert hat sich diese Zahl aufgrund von Fusionen. So schlossen sich 2014 etwa die Prisma und die OeKB Kreditversicherung zu einer neuen Gesellschaft namens Arcadia zusammen. Daneben gab es zuletzt aber auch konzerninterne Fusionen - beispielsweise bei der Ergo und der Uniqa. Bei Letzterer wurden gleich drei Assekuranzen - die Finance Life Lebensversicherung, die Raiffeisen Versicherung und die Salzburger Landes-Versicherung - auf die Österreich-Gesellschaft verschmolzen.

Zur Profitabilität des Versicherungsgeschäfts hält die FMA in ihrer Publikation fest, dass der Vorsteuergewinn der gesamten Branche 2015 mit 1,13 Milliarden Euro um mehr als 16 Prozent rückläufig war. Wenngleich dies "immer noch der viertbeste Wert seit 2002" gewesen sei.

Was die Prämieneinnahmen betrifft, liegen Österreichs Versicherer mit ihrem 2015 erwirtschafteten Wachstum zwar "über dem europäischen Durchschnitt", so die FMA. Dies könne aber wohl nur wenig trösten, zumal die Halbjahreszahlen 2016 wieder ein "viel ungünstigeres Bild" zeigten. Seien Einmalerläge bei Lebensversicherungen im Vorjahr noch sehr attraktiv gewesen, seien sie heuer bis Ende Juni mit einem Minus von mehr als 40 Prozent "extrem stark eingebrochen" - laut FMA wegen der offenbar wenig attraktiven Verzinsung, aber auch wegen der verschlechterten steuerlichen Rahmenbedingungen.

Gerade in der Lebensversicherung halten die Finanzaufseher die Produktgestaltung für "schwieriger und anspruchsvoller als je zuvor". In ihrem Bericht heißt es denn auch: "Das Niedrigzinsumfeld stellt derzeit das wohl größte Risiko für die Lebensversicherung in Österreich dar." Bei Altverträgen müssten die Versicherer noch über Jahre hinaus einen Garantiezins von durchschnittlich 2,7 Prozent erwirtschaften - angesichts "der derzeitigen Marktlage und der bei Wiederveranlagung zu erzielenden Renditen eine besondere Herausforderung".

"Relativ hohe" Solvabilität

Alles in allem sieht die FMA die heimischen Versicherer dennoch solide aufgestellt. Die Quoten in Bezug auf ihre Solvabilität (Eigenmittelausstattung) bewegten sich trotz volatiler Finanzmärkte und der Niedrigzinsen mit 215 Prozent (Median) "auf relativ hohem und stabilem Niveau".