München. Wie schnell und gründlich die Digitalisierung ganze Branchen umkrempelt, ist derzeit im Handel und im Tourismus zu beobachten. Für die europäische Transportbranche begann die vorerst letzte umwälzende Revolution vor genau 50 Jahren, als die ersten Container in einem deutschen Hafen gelöscht wurden. Doch nun bringt die Digitalisierung auch die Logistiker gehörig unter Zugzwang.

"Die Logistikbranche wird von der Digitalisierung teilweise oder sogar vollständig verändert werden." Zu diesem Schluss kommen 285 Logistikunternehmer aus 19 Ländern. Etwas mehr als die Hälfte befürchtet gleichzeitig wachsende Risiken - vor allem für die Datensicherheit. "Die größte Sorge ist, dass in der Zusammenarbeit mit Wettbewerbern oder IT-Unternehmen sensible Daten verloren gehen könnten", bestätigt Klaus van Marwyk von der Beraterfirma Roland Berger. Zugleich rechnen vor allem Spediteure damit, dass sie Wettbewerbsvorteile einbüßen, wenn sie künftig mit Konkurrenten - etwa über Buchungsplattformen - kooperieren müssen.

Neue Geschäftsmodelle

Roland Berger hat insgesamt 300 Logistikfirmen in Sachen Digitalisierung für eine Studie befragt. Demnach meinen 69 Prozent der befragten Unternehmen, dass ihnen das fachliche Know-how für die Umsetzung der digitalen Agenda fehle. 54 Prozent vermissen die Unterstützung seitens der Geschäftsführung oder der Mitarbeiter.

Doch welche digitalen Geschäftsmodelle haben Zukunft? Und welche Maßnahmen sollten Unternehmen ergreifen um fit für den digitalen Wandel zu werden? Die Experten von Roland Berger haben vier Geschäftsmodelle mit Potenzial identifiziert:

Buchungs- und Optimierungsplattformen werden das traditionelle Geschäftsmodell von Transportunternehmen stark verändern. Mit Online-Plattformen können einfache Transporte künftig effizienter und kostengünstiger abgewickelt werden. "Durch die direkte Vernetzung der Kunden mit Logistik-Dienstleistern werden die Abwicklung und die Transportkapazität optimiert, die Frachtkosten sinken", sagt Klaus van Marwyk. Um gemeinsam als neutraler Plattformanbieter agieren zu können, sollten Logistikunternehmen daher Kooperationsmodelle prüfen.

Frachtführer und Terminalbetreiber werden weiterhin entscheidender Teil der Wertschöpfungskette sein. Sie werden künftig Größenvorteile und neueste Technologien nutzen müssen, um Auslastung und Kosten zu optimieren. Denkbar ist unter anderem der Aufbau einer eigenen Online-Plattform in Kooperation mit anderen Frachtführern und Terminalbetreibern.