Zumindest quantitativ haben Computer die menschlichen Dolmetscher überflügelt: Google Translate übersetzt alleine 140 Milliarden Wörter täglich. - © de.fotolia.com/Oleksandr Delyk
Zumindest quantitativ haben Computer die menschlichen Dolmetscher überflügelt: Google Translate übersetzt alleine 140 Milliarden Wörter täglich. - © de.fotolia.com/Oleksandr Delyk

Babel. Wenn man sich seriös über die wirtschaftliche Lage in Ägypten informieren möchte, ist die Zeitung الأهرام eine gute Adresse. Sie ist die älteste Zeitung der arabischen Welt. Man kennt sie auch in Europa ganz gut, sie wird manchmal in den Nachrichten als "halbamtlich" bezeichnet.

Auf der الأهرام - Homepage sticht ein Teaser ins Auge, der mit einem Bündel Dollarscheine bebildert ist. Es geht darin offenbar um ökonomische Vorgänge im Land am Nil, was uns die schön geschwungene Titelzeile nicht so ohne weiteres offenbart:

يجب على التجار والصناع أن يكون لديهم حس وطنى ووضع أسعار بهامش ربح معقول

Man steht, wenn man des Arabischen nicht mächtig ist, wie vor einer Mauer, die der Sprachphilosoph Ludwig Wittgenstein mit einem seiner kanonischen Sätze so beschrieb: "Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt." Der Satz wird oft zitiert, wenn es um maschinelles Übersetzen geht.

Seit Menschen, Waren und Ideen permanent Grenzen überschreiten, gilt die babylonische Sprachverwirrung als zu behebendes Ärgernis. Dass "keiner des andern Sprache" versteht, ist eine geläufige biblische Klage. Rasant steigende Rechenleistung und immer schlauere neuronale Netze beflügeln die Utopie, dass es eines Tages doch möglich sein könnte, mit Hilfe automatischer Übersetzer wieder mit "einerlei Zunge und Sprache" zu sprechen.

Technik gegen die Sprachverwirrung

"Google Translate" ist dafür ein gutes Beispiel. Der globale Übersetzungsdienst wurde vor einem Jahr technisch auf ein neuronales Netz umgestellt, das 103 Sprachen zu verstehen vorgibt. 140 Milliarden Wörter laufen täglich durch seine virtuellen Nervenknoten, wie der Google-Entwicklerblog berichtet. Es lernt ständig dazu und macht sogar in Sprachen Fortschritte, von denen Google wenig Trainingsdaten besitzt.

Wittgenstein unterscheidet zwischen sinnvollen, sinnlosen und unsinnigen Sätzen. Für letztere waren Übersetzungsprogramme lange Zeit zuständig. Legendär sind die maschinell verursachten Übersetzungsfehler auf Speisekarten, die manchmal unerwartet modern klingen, wie etwa "Seehecht-Datei", oder furchterregend wie "My family cooked". Von der reinen Lachnummer haben sich die digitalen Übersetzer indes ein Stück weit entfernt. Dementsprechend alt sind die Witze, die im Internet über ihr sprachliches Unvermögen kursieren. "Sala climatizzata" zu übersetzen mit: "Es salzt mit bedingter Luft", davon sind heutige Programme weit entfernt. Im Jahr 2017 spricht Google Translate anstandslos von einem "klimatisierten Saal".

Was schreibt Al Ahram? - © WZ Online / Screenshot
Was schreibt Al Ahram? - © WZ Online / Screenshot