Im Internet sieht man viele Countdowns, die bedrohlich schnell auf ein Ende zu laufen. Egal, ob Bevölkerungswachstum, Waldsterben oder Wasserverbrauch, die Menschheit lebt ökologisch offensichtlich auf Pump. Der Earth Overshoot Day, der Welterschöpfungstag, findet jedes Jahr ein wenig früher statt. Wenn die Warnanzeigen recht behalten, könnte das soeben ausgerufene Anthropozän vergleichsweise schnell enden.

Wer über Erdzeitalter nachdenkt, bewegt sich ohnehin auf einer unmenschlichen Zeitskala. Äonen kommen ins Spiel, wenn man in geologischen Zeiten denkt, die eine Abfolge von Ewigkeiten sind. Seit vier Milliarden Jahren verändert sich der Planet, kühlt ab, wird heiß, verschiebt seine Landmassen. Arten verschwinden und entstehen, die Evolution verrichtet ebenso geruhsam wie unerbittlich ihr Zeitlupen-Geschäft des permanenten Wandels. Und nun soll also das Anthropozän angebrochen sein, das Zeitalter, in dem der Mensch auch der geologischen Zeit seinen Stempel aufdrückt?

In den Erdschichten finden sich schon jetzt genug Beweise für die Dominanz des Menschlichen: Radioaktivität zum Beispiel, oder Knochenhaufen aller Art, auch Einschlüsse von zunehmend dicker und schlechter werdender Luft. Zuletzt haben wahrscheinlich Bakterien so massiv in die Atmosphäre eingegriffen wie der Mensch, aber die schenkten uns den Sauerstoff, während als Folge des industriellen Stoffwechsels die planetarischen Sphären mit Kohlendioxid, Methan oder Fluorchlorkohlenwasserstoffen angereichert werden. Das also sind die Begleiterscheinungen des Anthropozäns: ein aufgeheiztes Klima, eine wuchernde Verstädterung, umkämpfte Ressourcen, globale Umweltverschmutzung und ein Artensterben, das sonst nur für planetare Katastrophen typisch ist.

Man weiß das, und man weiß auch, dass Mittel und Zwecke im Zeitalter der großen Zahlen neu gewichtet werden müssen, damit uns die von Menschenhand geschaffene Welt nicht über den Kopf wächst. Im Anthropozän, in dem die Zivilisation selbst zur gefährlichsten Naturgewalt wird, muss die Kooperation neu erfunden werden. Wahrscheinlich ist der augenfälligste Beweis, dass der Mensch nun tatsächlich der wichtigste Faktor im planetaren Geschehen ist, in dem Zaumzeug zu finden, dass er just dafür um den Planeten gesponnen hat. Es ist ein Netzwerk aus Kabeln und mehr noch, aus elektromagnetischen Wellen, das einzigartig ist: die Infosphäre. Sie verknüpft Radio, Fernseher, Telefone, Satelliten und das Internet zu einer kommunikativen Infrastruktur, die zu bedeutsam ist, um sie Konzernen und Geheimdiensten zu überlassen.