Menlo Park. Die wegen des Facebook-Skandals umstrittene Datenanalysefirma Cambridge Analytica ist insolvent. Das Top-Personal macht wohl bei einem neuen Unternehmen weiter. Unklar bleibt, was aus den bei Cambridge Analytica entwickelten Algorithmen und den daraus gewonnenen Persönlichkeits-Profilen wird, die auch auf der Basis der Daten von über 87 Millionen Facebook-Anwendern gewonnen wurden.

Cambridge Analytica und die britische Dachgesellschaft SCL Group hätten Insolvenz beantragt, teilten die Unternehmen am Mittwoch mit. Die Medienberichte über die Firma hätten praktisch alle Kunden vertrieben, die finanzielle Lage sei "prekär".

Die Experten von Cambridge Analytica galten als Datenzauberer hinter dem Wahlsieg Donald Trumps. Doch dann löste die Firma den aktuellen Facebook-Datenskandal aus - und der brach ihr das Genick. Cambridge Analytica hatte von einem Cambridge-Professor Daten von Millionen Facebook-Nutzern erhalten, die er über eine Umfragen-App gesammelt hatte. Nur einige hunderttausend Nutzer nahmen freiwillig an der Umfrage teil. Die restlichen Informationen stammten von Facebook-Freunden der Umfrageteilnehmer, zu deren persönlichen Daten die App nach damaliger Funktionsweise des Online-Netzwerks auch Zugang hatte.

Emerdata folgt auf Cambridge Analytica

Der Sender NBC berichtete, Cambridge-Analytica-Investorin Rebekah Mercer und diverse Top-Manager des Unternehmens seien bereits kurz vor Ausbruch des Skandals bei einer neuen Datenanalyse-Firma mit dem Namen Emerdata an Bord gegangen. Darunter sei der Technologie-Chef von Cambridge Analytica, Alexander Tayler. Die Firma sei in New York an derselben Adresse wie die dortige Filiale von Cambridge Analytica angemeldet worden.

Rebekah Mercer leitet die konservative Mercer-Stiftung. Zusammen mit ihrem Vater, dem Milliardär Robert Mercer, gehörte sie zu den einflussreichsten Unterstützern von Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl 2016.

Facebooks PR-Debakel

Für Facebook entwickelte sich die Daten-Affäre zu einem PR-Debakel. Das Netz hatte die Schlupflöcher bereits 2014 dichtgemacht und die Weitergabe der Daten durch den Professor als "Vertrauensbruch" bezeichnet. Dennoch stürzte der Fall auch Facebook in eine Krise und brachte das weltgrößte Online-Netzwerk unter anderem dazu, den Zugang von Software-Entwicklern zu Nutzerinformationen einzuschränken. Nach Einschätzung von Facebook könnten Daten von bis zu 87 Millionen Mitgliedern weltweit betroffen sein. Cambridge Analytica erklärte, Informationen zu 30 Millionen Nutzern erhalten zu haben.

Das in Verruf geratene Unternehmen beurlaubte im Zuge des Skandals Firmenchef Alexander Nix, nachdem er vor der versteckten Kamera eines Journalisten mit Methoden wie Erpressung von Wahlkandidaten geprahlt hatte. Nix sagte später zu seiner Verteidigung, er habe bei der Unterhaltung nur "mitgespielt".

In Trumps Diensten

Die Firma hatte im Wahlkampf um das US-Präsidentenamt für das Team von Donald Trump gearbeitet, behauptet aber, dabei seien keine Daten von Facebook verwendet worden. Manager von Cambridge Analytica ließen zugleich immer wieder durchblicken, ihre Hilfe bei der gezielten Wähleransprache im Internet habe zu Trumps Wahlsieg beigetragen.

Am Mittwoch bekräftigte Cambridge Analytica, das Unternehmen habe im Rahmen der Gesetze gehandelt.