Hamburg/Wien. Der Sport wird digitalisiert: Big Data, intelligente Algorithmen und Cloud-Computing sollen in Zukunft stärker über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Und darüber hinaus sollen sie nahezu prophetische Vorhersagen bringen, welcher Athlet am Ende als Sieger den Platz, das Feld oder die Rennstrecke verlässt.

Einer der wohl nennenswertesten Vorstöße dieser sportlichen Digitalisierung findet gegenwärtig in der Formel 1 statt. Das Unternehmen kooperiert mit Amazon Web Services, einem der weltweit größten Cloud-Provider. "Die Kooperation soll vor allem dazu beitragen, den Fans unvergleichliche Einblicke in den Rennbetrieb und völlig neuartige Analysen zu bieten", sagt Pete Samara, Direktor für Innovation und Digitale Technologie in der Formel 1.

Zeitfenster für Boxenstopp und Reifenwechsel berechnen

Das Ziel sei es, die auf den Rennstrecken generierten Daten in Echtzeit zu verarbeiten und mit Daten aus über 65 Jahren Rennhistorie zu vergleichen. Hier wird deutlich, warum das Unternehmen die Cloud-Dienste in Anspruch nimmt: Jedes Rennauto ist mit über 200 Sensoren ausgestattet, die ununterbrochen relevante Testdaten erfassen. "In einem eineinhalbstündigen Rennen werden so rund 250.000 Gigabyte an Daten generiert", so der Experte. Erst die potenzierte Rechenleistung in der Cloud ermöglicht deren Verarbeitung in Echtzeit.

Auf Basis dieser Analysen sollen unter anderem während des Rennens die optimalen Zeitfenster für Boxenstopps und Reifenwechsel berechnet werden. "Zudem können wir präzise die Leistung der Fahrer im Vergleich zu früheren Rennen analysieren und diese Evaluierung mit den Fans in Echtzeit teilen", erklärt Samara. So sollen den Zuschauern Vorhersagen zu den taktischen Manövern und Strategien der Teams und Fahrer vermittelt werden, die am Ende die entscheidenden Sekundenbruchteile zum Sieg ausmachen können.

"Zuschauer wollen einfach mehr Highlights"

Einer der wohl prominentesten Fürsprecher von derartigen Echtzeit-Analysen und Vorhersagen im Sport ist Mati Kochavi, CEO der Sicherheitsfirma AGT International. "Die Menschen schauen Sport heute nicht mehr so wie früher", sagte der exzentrische Milliardär bereits Ende 2017 in Las Vegas auf der Re:Invent, der größten Cloud-Messe der Welt. "Zuschauer wollen einfach mehr Highlights, intelligente Analysen, die nie da gewesene Einblicke hinter die Kulissen des Sports gewähren."