Fragestellungen, welche Menschen wie organisiert an welchen Orten arbeiten, ist in der Verwaltung ein wichtiges Thema. Derzeit ist zum Beispiel der Umbau von 40 regionalen Finanzämtern zu einem "Finanzamt Österreich" unter dem Motto: "Von der Behörde zur Filiale" im Gange. Damit sollen eine möglichst gleichmäßige bundesweite Verteilung des Arbeitsanfalles sowie eine Vereinheitlichung der Rechtsanwendung erreicht werden.

Bereits seit einigen Jahren findet eine Diskussion über die Verlagerung staatlicher Einrichtungen in die Bundesländer statt. Sie hat sich anlässlich der beabsichtigten die Umsiedlung des Umweltbundesamtes nach Klosterneuburg intensiviert. Wir schlagen vor, die Dezentralisierung des öffentlichen Sektors neu zu denken und zu realisieren.

Von Osttirol und anderen peripheren alpinen Regionen bis ins obere Waldviertel gibt es in Österreich eine große Anzahl von Orten, in denen es für die Bürgermeister oft keine gute Nachricht ist, wenn sie hören, dass ein junger Gemeindebürger ein Studium abgeschlossen hat. Sie müssen sich dann darauf einstellen, einen weiteren Bürger für die nächsten Jahrzehnte zu verlieren.

Sogwirkung umdrehen

Wenn junge qualifizierte Arbeitskräfte im ländlichen Raum einen Großteil ihrer Arbeitstätigkeiten daheim verrichten könnten, wäre die Sogwirkung größerer Städte merklich reduziert. Auch wären längere Pendelbewegungen zwischen Wohnsitz und Arbeitsplatz verringert. Zusätzlich hätten Menschen, die derzeit Einkommensverluste und weniger interessante Tätigkeiten in Kauf nehmen, um in ihrem Dorf zu bleiben, die Chance, in der gewohnten Umgebung qualifiziertere Arbeitsplätze zu erhalten.

Der öffentliche Sektor hat nicht nur gemeinwohlorientierte Gründe, sondern auch gesunde Eigeninteressen, Arbeit möglichst weitgehend und möglichst nahe an den Wohnort von Mitarbeitern zu bringen. Der bereits seit einigen Jahren angekündigte und bereits spürbare "war for talents", der heftige Wettbewerb um qualifizierte Personen, wird sich in vorhersehbarer Weise verschärfen - auch im Bereich der Digitalisierung, die ein wesentlicher Treiber von Verwaltungsentwicklung ist und bleiben wird.

Öffentliche Organisationen werden weiterhin bei der Bezahlung von Hochqualifizierten nur sehr bedingt wettbewerbsfähig sein. Auch bei Optimismus in die Innovationsfähigkeit der Verwaltung werden Aufbau- und Ablaufstrukturen vergleichsweise komplex bleiben, die Entscheidungswege länger und die Freiräume für eigenständiges Arbeiten begrenzter sein als in Wirtschaftsbetrieben. Bereits jetzt ist zu verzeichnen, dass die Mobilität von jüngeren Mitarbeitern der Verwaltung zunimmt und die Scheu, in die Wirtschaft (zurück) zu gehen, abnimmt. Die Überalterung des öffentlichen Dienstes mit vorhersehbar vielen Pensionierungen erhöht den Handlungsbedarf. Will der öffentliche Sektor talentierten und leistungsorientierten Menschen Gründe liefern, zu kommen und zu bleiben, sollte er sich Neues einfallen lassen.