- © (c) 2018 MANFRED SODIA photograp
© (c) 2018 MANFRED SODIA photograp

UniCredit Bank Austria und Erste führen ihre weitverzweigten Geschäfte aus einer neuen Bürowelt mit modernster Technologie. Statt einzelnen Zimmern betritt der Besucher offene Etagen und Fluchten; Frauen und Männer arbeiten auf Inseln, sie haben keine fixen Arbeitsplätze, sondern suchen sich täglich einen Schreibtisch; am Ende des Tages versperren sie Unterlagen, Tastatur oder Laptop in einem Locker.

Trotz weitläufiger Büroflächen ist es ruhig, wer länger telefoniert, geht in eigene kleine Räume; für Meetings stehen zahlreiche Besprechungsbereiche unterschiedlicher Größe zur Verfügung. Auch zur nächsten Kaffeebar ist es meist nicht weit. "Open Office", "Home Base" und "Clean Desk" lauten neudeutsche Schlagworte in dieser neuen Bürowelt. Ältere Mitarbeiter hatten anfangs teilweise Probleme damit. Jüngere, die gewohnt sind ihren Laptop überall aufzuklappen, nahmen dieses Biotop rasch an.

Der Campus der Erste Bank beim Wiener Hauptbahnhof und der Austria Campus der UniCredit Bank Austria sind nicht bloße Bürokomplexe. Die 5500 Mitarbeiter (Erste) und 5300 (Bank Austria) entsprechen den Einwohnerzahlen kleinerer Städte wie Bad Aussee oder Horn. Ähnlich wie Kommunen verfügen die Gebäude über umfangreiche Infrastruktur.

Was dort Straßeneinigung und Schneeräumung sind, Wartung und Reparatur von Straßenbeleuchtung und Verkehrsampeln, die Versorgung von Gemeindeamt und Kindergarten mit Schreibpapier, Milch, Tee und Kaffee, das muss auch hier reibungslos funktionieren. Das meiste wird hier digital gesteuert und verwaltet. Beide Headquarter kennzeichnet der Mix aus physischer Zentrale und virtuellem Knoten in regionalen und internationalen Netzen. Die Banken haben elegante historische Verwaltungsgebäude aufgegeben - die Erste am Graben, die Bank Austria den Schottenring - und eine Reihe von Standorten in die neuen Campusse integriert.

"Das erleichtert die Kommunikation", erläutert Matthias Raftl, Sprecher der UniCredit Bank Austria. "Während man sich früher gezielt einen Termin ausmachen musste, läuft man sich hier buchstäblich über den Weg." Modernste Kommunikationsmittel kommen zum Einsatz, um Mitarbeiter aus Mittel- und Osteuropa miteinander zu verknüpfen.

"Wir arbeiten viel mit Skype", so Raftl. "Da können wir regelmäßig bei Meetings Kollegen aus anderen Ländern bei Besprechungen einbinden." Aber Bildtelefonie wird auch auf kürzeren Distanzen eingesetzt. Mehr als die Hälfte der Bank-Austria-Mitarbeiter können sich von Home Offices einklinken, oder man geht den ganz kurzen Dienstweg und skypt von einem Gebäudeteil zum nächsten, statt sich auf den Weg zu machen. Für die Besprechungen mit Menschen an unterschiedlichen Orten sind Vidiwalls eingerichtet. Bleibt das papierlose Büro auch weiter Zukunftsmusik, so wird das notwendige Drucken im täglichen Arbeitsablauf erleichtert. "FollowMe printing" erlaubt nach Identifizierung durch die Mitarbeiterkarte, den nächstgelegenen Drucker zu verwenden. Hinter den Kulissen laufen auch andere Prozesse längst digital gesteuert, etwa Klimatisierung und Beleuchtung. Sobald Bewegungsmelder eine leere Etage erkennen, wird das Licht automatisch heruntergefahren. Für Service und Reparatur haben die Bürokomplexe überhaupt digitale Abläufe definiert. Hat etwa eine Mitarbeiterin am Arbeitsplatz ein Problem - eine ausgefallene Steckdose oder Glühbirne, ein unschöner Kaffeefleck neben dem Schreibtisch oder hartnäckige Zugluft wegen einer falsch eingestellten Klimatisierung -, dann gibt sie das direkt auf ihrem Computer in eine vorbereitete Maske ein. In der Facility-Management-Zentrale bearbeitet man den Fall und schickt einen Techniker oder eine Putzkraft. Der Hauselektriker, der die Schadensmeldung auf seinem iPad findet, schätzt dann ein, ob er den Schaden selbst reparieren kann oder ob Spezialisten von außen gebraucht werden.

"Manche stellen sich vor, so ein Haus rennt von alleine", erzählt Isabelle Holzer, Leiterin des technischen Facility Managements im Erste Campus. Etwa 100 Frauen und Männer sind für das Funktionieren der Abläufe verantwortlich, überwiegend Angestellte und eigenen Hausarbeiter der Bank. Darüber hinaus gibt es Spezialisten, die auf der Etage von Holzers Unit ihren Arbeitsplatz haben, das Gehalt aber von Fremdfirmen bekommen. Das sind etwa Techniker von ISS, einer internationalen Gruppe für Reinigung und Büro-Services. Ähnlich ist es bei der Bank Austria: Die Servicetechniker gehören zur Firma PKE.

Unter den Etagen mit gedämpften Licht finden sich Infrastruktur-Einrichtungen, wie die Docks für Lkw, die Betriebsmittel anliefern: Papier, Stifte, Seife, WC-Papier, Kaffee, Milch und Teesackerln. Holzer: "Wir verbrauchen im Jahr 20 Tonnen Kaffee."