Die Digitalisierung wird mit vielen Umbrüchen einhergehen. Ich glaube, wir werden im Endeffekt sogar mehr Jobs haben. Die Herausforderung werden die entsprechenden Qualifikationen der Menschen sein. Bildung und Weiterbildung sind die zentralen Themen und damit müssen wir heute anfangen. Wir setzen hier bei den KMU an und wollen sie und ihre Mitarbeiter mit unseren Programmen digital fit machen. Mit den "Digital Pro Bootcamps" gibt es von der FFG eine maßgeschneiderte Weiterbildungsmaßnahme im Bereich "Digitalisierung". Und mit unserem KMU-Accelerator wollen wir sicherstellen, dass die KMU auf den Weg in die Digitalisierung begleitet werden. Der KMU-Accelerator ist ein Programm, das sich in der Start-up-Szene bewährt hat und das dort schon vielen Firmen in kurzer Zeit bei der Weiterentwicklung geholfen hat. Wir wollen dieses Programm nun auf kleine Unternehmen, die am Anfang der Digitalisierung stehen, umlegen. Gemeinsam mit der WKÖ Sparte Handel pilotieren wir aktuell ein erstes Programm für Handelsunternehmen, die Details werden am 4. April im Zuge des E-Days vorgestellt. Das Ziel ist es, mit den Unternehmen und bei den Unternehmen konkrete Digitalisierungsmaßnahmen umzusetzen.

Wie wird sich das Berufsbild eines Beamten ändern?

Ich könnte mir vorstellen, dass die Beamten in Zukunft Coaches werden und Menschen den Umgang mit der Digitalisierung beibringen. Zum Beispiel, wie oesterreich.gv.at funktioniert. Oder sie entwickeln coole Lösungen im Block-Chain-Bereich. Die Block-Chain-Technologie bringt für den öffentlichen Bereich extrem spannende Möglichkeiten mit sich, vor allem in Hinblick auf die Sicherheit. Vielleicht wird der Beamte Lösungen entwickeln oder auf der Block-Chain programmieren.

Andreas Tschas ist in Österreich Mitbegründer des Start-up-Inkubators Pioneers. 2011 hat er das Wirtschaftsstudium an der WU Wien abgeschlossen, 2017 zog er sich aus der aktiven Rolle bei Pioneers zurück und übernahm die Leitung des Bereichs Marketing und Business Development von TTTech. Seit September 2018 ist er Leiter der Digitalisierungsagentur DIA, die bei der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) angesiedelt ist und arbeitet an der Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen. Bis 2020 steht ihm und seinem Team dafür ein Gesamtbudget
von 13 Millionen Euro zur
Verfügung.

Berufswege

Wordrap über Zeit, Respekt und Inspiration

Resümee nach fünf Monaten DIA-Leitung: Es ist eine wirklich sehr spannende, aber auch herausfordernde Aufgabe. Es gibt bereits so viele spannende Initiativen und passionierte Menschen, die daran arbeiten, uns als Gesellschaft nach vorne zu bringen. Wir wollen mit der Community gemeinsam große Themen wie Künstliche Intelligenz, Autonomes Fahren oder Cybersecurity angehen, dafür ist es wichtig zu wissen, wer aller an den Themen arbeitet.

Die österreichische Verwaltung 2024: Der Mensch steht im Mittelpunkt. Er wird möglichst unkompliziert unterstützt, damit er ein unbeschwertes Leben leben kann.

An meinem Job schätze ich: Das tolle Team und die Möglichkeiten, Österreich in der Digitalisierung voranzubringen. Wir agieren dabei natürlich in erste Linie im Land, vernetzen uns aber auch international, um von anderen Staaten wie Singapur oder Estland zu lernen, das ist sehr aufschlussreich und interessant.

Die nächste Reise führt mich nach: Singapur. Da bin ich zu einem CIO-Kongress eingeladen. Es treffen sich die 20 wichtigsten CIOs der Welt, aus Estland, Schweden, Finnland . . . Das Spannende dabei ist, dass es bei der Veranstaltung nicht darum geht, darüber zu reden, was gut läuft, sondern sich anzusehen, was nicht gut läuft und Lösungen zu finden.

Davor habe ich Respekt: Ich freue mich sehr auf die Zukunft, aber ich habe auch Respekt davor. Die Veränderung bringt immer einen Umbruch mit sich. Momentan passieren extrem viele Veränderungen im Digitalisierungsbereich. Deswegen ist es so wichtig, dass wir da aktiv sind.

Das inspiriert und spornt mich an: Biografien. Eine der letzten, die ich gelesen habe, war die von Leonardo da Vinci. Er war ein wirklich spannender Kerl. Er hat die meiste Zeit seines Tages damit verbracht, zu beobachten, und ist so auf die interessantesten Sachen draufgekommen.

Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich: Ich mag die Zeit eigentlich nicht zurückdrehen. Steven Jobs sagte in eine Rede mal so schön: "Man kann die Zusammenhänge nur rückwirkend verstehen." Wenn ich zurückblicke, dann hat alles in meinem Leben bisher Sinn gemacht. Es war nicht immer einfach, aber rückwirkend gesehen, habe ich sehr viel gelernt.

Das möchte ich noch lernen: Die Rechtschreibung! Ich bin Legastheniker.