Jägerin mit Drohne: Mittermayr. - © R. Engel
Jägerin mit Drohne: Mittermayr. - © R. Engel

Bei Claudia Mittermayr ist im Frühjahr Buchungszeit. Da melden sich bei ihr viele Bauern und bestellen Flugstunden für den Sommer. Mittermayr leitet in der Wiener Zentrale der Raiffeisen Ware Austria RWA das Team Farming Innovation, Landwirtschaftliche Innovationen.

Der Kampf gegen den gefürchteten Maiszünsler gehört zu ihren Kernaufgaben. Sie steuert gemeinsam mit vier Kollegen ihre Drohne gegen einen der lästigsten Schädlinge der Maisbauern. Gestartet und gelandet wird händisch, dann fliegt das Gerät das Feld nach GPS-Daten ab. Bei den Einsätzen hängt unter den Rotoren ein Behälter, in dem sich fünf Kilo Wespenlarven in tausenden kleinen Kugeln befinden. Die wirft das Fluggerät in Abständen von sieben Metern über dem Kukuruzfeld ab. Die geschlüpften Wespen legen ihre Eier in die Gelege der Schädlinge und töten sie damit. Nicht mehr gebraucht werden Chemikalien und Spritzmittel: Hightech und Ökologie arbeiten eng zusammen. Die so beflogenen Flächen sind gar nicht so klein. Mittermayr: "Im Vorjahr waren es etwa 5000 Hektar, im Vergleich zu den 800 Hektar 2017 ein sehr kräftiger Anstieg."

Drohnen kommen bei Raiffeisen auch anderswo zum Einsatz. So überprüfen die Piloten damit ganz ohne Kräne den äußeren Zustand der turmhohen Getreidesilos. Auf größeren Feldern dienen Überflüge zur Erfassung unterschiedlicher Feuchtigkeit und verschiedenem Düngerbedarf. Dabei werden bereits Daten von Satelliten mit herangezogen. Zur Erntezeit gibt es noch andere, auf den ersten Blick sentimentalere Flüge. Noch bevor Mähdrescher mit ihrer Arbeit beginnen, sucht eine Drohne, an der eine Wärmebildkamera hängt, systematisch das ganze Getreidefeld nach versteckten Rehkitzen ab. Denn wenn diese die großen Erntemaschinen nahen hören, flüchten sie nicht, sondern ducken sich zwischen die Weizenhalme - und enden oft in den Messern der Mähdrescher.

Hat die Kamera Bambi einmal aus der Luft erfasst, geht ein Jäger genau an die Stelle, wickelt es vorsichtig in eine Decke (damit Menschen-Geruch nicht dazu führt, dass es die Mutter verstößt) und trägt es aus dem Feld. Die Rettung ist nicht nur tierfreundlich, sie erspart den Bauern viel Geld. Denn kleingehackte Lebewesen verunreinigen Mähdrescher und Teile der Ernte. Also dienen Drohnen dem Tierschutz und der landwirtschaftlichen Ökonomie.