Hier stören die summenden Fluggeräte niemanden. "Wir haben schon mindestens 100 Friedhöfe beflogen und digitalisiert, davon allein im Burgenland 70." Philipp Knopf ist ein Gründer und Geschäftsführer von Skyability, einem Unternehmen spezialisiert auf Drohnenflüge. Warum Friedhöfe? Zunächst geht es um Bestandsaufnahmen. Knopf: "Es gibt bei vielen Friedhöfen noch überhaupt keinen Plan." Die zuständigen Gemeindemitarbeiter verwalten die Gräber oft nach ihrem subjektiven Wissen, wenn sie krank sind oder in Pension gehen, weiß niemand Bescheid. Und auch die Gebühren werden oft nur mangelhaft erfasst und vorgeschrieben.

Jetzt hat die neue Digitaltechnik zahlreichen österreichischen Gemeinden die Möglichkeit eröffnet, hier Ordnung hineinzubringen. Das betrifft einerseits spezielle Software-Programme für Gräber-Verwaltung, anderseits die dazu notwendige Datenbeschaffung mit Drohnen. Knopf: "Für einen Gemeindefriedhof mit 1000 Gräbern braucht ein Vermessungsbüro mehrere Tage bis eine Woche: Der Drohnenflug ist in 15 Minuten erledigt, die Digitalisierung benötigt weitere ein bis zwei Tage. Es ist also viel effizienter."

Im burgenländischen Siegendorf gibt es Skyability seit 2015. Das Unternehmen hat heute zehn - teils freiberufliche - Mitarbeiter. In die Hardware wurde ordentlich investiert. Allein ein Laser, mit dem aus der Luft besonders genau gemessen werden kann, kostet 200.000 Euro - ein Vielfaches normaler Kameras.

Die Drohnen-Piloten von Skyability flogen in ihrer kurzen Unternehmensgeschichte schon unterschiedliche Einsätze. So hat es etwa mit der Stare-Vertreibung über den Weingärten begonnen. Heute konzentriert sich das Unternehmen auf mehrere spezielle Anwendungen - mit öffentlichen und privaten Auftraggebern.

So fliegt man etwa für Energieversorger in Wien, Niederösterreich und im Burgenland. Überprüft werden mit Wärmebildkameras Fernwärmeleitungen auf Lecks oder Solarparks auf fehlerhafte Module. Die Drohnen fliegen Hochspannungsleitungen ab und melden, wo man Bäume beschneiden muss, damit sie beim nächsten Sturm nicht zu Stromausfällen führen.

Kontrolle von Kraftwerken

Gemeinsam mit Wien Energie hat Skyability eine Technik entwickelt, wie man Kamine kalorischer Kraftwerke innen überprüft. Knopf: "Dabei landet eine Drohne oben auf dem Kamin und lässt mit einer Seilwinde eine Kamera hinunter."

Die Gemeinde Wien wiederum bucht die Drohnen, damit diese den lästigen Makrophyten-Wuchs in der alten Donau überprüfen. Wo Algen am stärksten wuchern, rücken dann die Mähboote an.

In alpinen Gebieten - Salzburg, Kärnten oder der Steiermark - fliegen unbemannte Geräte, um für die Wildbach- und Lawinenverbauung konkrete Schneemengen auf Hängen zu dokumentieren. Dabei vergleicht man diese mit den im Sommer digitalisierten Hängen und kann so sehr genaue Aussagen machen, wo künftig neue, eventuell höhere Lawinenschutzbauten vorzusehen sind. Ähnliche Flüge erfolgen für die Betreiber von Skigebieten, denen die exakten Schneehöhen auf den Pisten ermittelt werden, damit sie nicht unnötig viel teure Energie bei der Kunstschnee-Produktion verbrauchen.

Ernstfall-Prävention kann aber auch im Flachland notwendig sein. Knopf: "Wir machen gerade die größte einzelne Drohnen-Digitalisierung, die es bisher in Österreich gegeben hat, in einer Gemeinde im burgenländischen Seewinkel." Dabei geht es um die Simulation von Starkregen und wohin sich in einem solchen Fall die Wassermassen bewegen würden, damit man dagegen rechtzeitig Vorkehrungen treffen kann.

Ein internationales Forschungsprojekt - zwischen der österreichischen Forschungseinrichtung AEE INTEC und einer chinesischen Universität - betrifft die Untersuchung des urbanen Mikroklimas, unter anderem auch in Wien. Dabei sucht man nach besonderen Hitzepolen in der Stadtlandschaft, etwa wo sich die Wärme extrem aufbaut, wo sich heiße Luft staut und was man mit Bau- oder Bepflanzungsmaßnahmen dagegen machen kann.

Knopf ist überzeugt, dass die Einsatzmöglichkeiten von Drohnen gerade in Kommunen in den nächsten Jahren noch deutlich zunehmen. Ein Beispiel sei die Erfassung des urbanen Grünraums. Ähnlich wie bei Friedhöfen ginge das deutlich billiger und schneller als mit konventionellen Vermessungsmethoden am Boden. "Dann hat man Bilder und Daten auch für andere Zwecke, etwa was den Verkehr betrifft. Und diese Daten sind aktuell und äußerst genau."