Im Juli 2018 wagt Valerie Mocker bei Nestas "Future Fest" in London ein Tänzchen mit Pepper. Der Roboter wird im Service, Gesundheits- und Bildungsbereich eingesetzt. Mehr über Pepper unter www.probo-robotics.at - © Nesta/Saveski
Im Juli 2018 wagt Valerie Mocker bei Nestas "Future Fest" in London ein Tänzchen mit Pepper. Der Roboter wird im Service, Gesundheits- und Bildungsbereich eingesetzt. Mehr über Pepper unter www.probo-robotics.at - © Nesta/Saveski

Valerie Mocker hinterfragt alte Vorgehensweisen, überarbeitet sie oder findet kurzerhand neue Lösungen. Die 28-jährige gebürtige Hamburgerin arbeitet seit fünf Jahren für die gemeinnützige Innovationsstiftung Nesta, die vor nunmehr 20 Jahren von der britischen Regierung ins Leben gerufen wurde. Die Stiftung berät Regierungen, Unternehmen und Organisationen im Bereich der gemeinwohlorientierten Digitalisierung - und das in mittlerweile über 40 Ländern, von Chile bis in die Vereinigten Arabischen Emirate. In Österreich tauscht sich Nesta unter anderem mit der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) aus.

Neue Technologien zum Wohle der Allgemeinheit und das Testen dieser Innovationen sind Alltagsroutine für Valerie Mocker und ihr Team. "Wenn du nicht mehr weiter weißt: am besten testen", zitiert Mocker einen Leitsatz. Getestet wird in der Regel in sogenannten "Sandkästen" oder Reallaboren, auf Englisch Sandboxes. So werden begrenzte physische Räume wie etwa Stadtteile oder Teile einer Gemeinde bezeichnet, in denen geltende Regulierungen oder Gesetze vorübergehend gelockert werden. Verschiedene Behörden können dann in diesen Versuchsgebieten das Potenzial und mögliche Probleme neuer Technologien testen, um später deren Einsatz im großen Maßstab besser zu gestalten. Ein konkretes Beispiel dafür wäre ein temporäres Aussetzen der strengen Flugvorschriften für Drohnen über dem Stadtgebiet: Dann ließe sich etwa testen, wie der Transport von lebensrettenden Blutkonserven von einem Krankenhaus zum anderen per Drohne in der Praxis funktionieren könnte. Sandboxes können aber auch "nur" virtuelle Räume sein. Für Regierungen stellen Sandboxes also eine Möglichkeit dar, dem digitalen Fortschritt nicht ständig hinterherlaufen zu müssen, sondern ihn aktiv zu gestalten.

- © Nesta/Lubè Saveski
© Nesta/Lubè Saveski

"Wiener Zeitung": Frau Mocker, welche Sandbox wäre aus Ihrer Sicht in Österreich sinnvoll?

Valerie Mocker: Die entscheidende Frage ist: Was würden die Österreicher gerne verändern oder erreichen? Welche Probleme wollt ihr lösen? Wir bei Nesta benutzen Sandboxes üblicherweise, um Lösungen für große gesellschaftliche Herausforderungen zu finden, die mehr Selbstbestimmung, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Chancen für alle schaffen. Damit die Zukunft allen gehört. Wir testen zum Beispiel, wie man mittels Drohnen die Luftqualität in Städten besser managen oder medizinische Transporte beschleunigen könnte. Wir testen, wie künstliche Intelligenz Menschen besseren Zugang zu Rechtsberatung ermöglichen kann, unabhängig davon, wie viel Geld sie in der Tasche haben. In Großbritannien hat Nesta zum Beispiel mit dem Wirtschaftsministerium zehn Millionen Pfund in die Hand genommen um Sandboxes zu 15 gesellschaftlichen Themen aufzumachen. In Österreich könnte ich mir Sandboxes zu einigen Herausforderungen vorstellen: Demografischer Wandel, bessere Pflege, Nachhaltigkeit oder auch die Veränderungen in der alpinen Lebenswelt.

Valerie Mocker Als Expertin für gemeinwohlorientierte Digitalisierung bei Nesta ist - © Nesta
Valerie Mocker Als Expertin für gemeinwohlorientierte Digitalisierung bei Nesta ist - © Nesta