Es klingt wie eine Episode aus einem schaurigen Science-Fiction-Film: Ein alter, schwerkranker Mann liegt im Spitalsbett, als ein Bildschirm auf Rädern in sein Zimmer rollt. Auf dem Bildschirm erscheint das Konterfei eines Arztes. Wo immer der sich gerade befinden mag - er teilt dem Patienten mit, dass dieser bald sterben werde. Wenige Tage später ist der Kranke tot. So geschehen im März in einem amerikanischen Krankenhaus.

Telemedizin, der Einsatz der Telekommunikation zu medizinischen Zwecken, ist Teil einer größeren Entwicklung: der Digitalisierung der Medizin. In Österreich hat diese schon vor Jahren mit der Einführung der E-Card und der elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) begonnen. Immer mehr Aspekte der Gesundheitsversorgung werden Stück für Stück digital verfügbar - vom Online-Portal "MeineSV" der Sozialversicherungen über die E-Medikation bis hin zum E-Impfpass. Neben der Digitalisierung bestehender Dienste halten aber auch neue digitale Verfahren Einzug in den medizinischen Bereich. Darunter Telemedizin, Operationsroboter oder Künstliche Intelligenz.

Doch wie können Patienten von dieser Entwicklung profitieren? Wie können Grundrechte wie Datenschutz und Grundbedürfnisse wie Empathie und menschlicher Kontakt gewahrt bleiben? Und wie soll ein Roboter ethische Entscheidungen treffen? Letzteres wird nicht passieren, betont der Sprecher der Patientenanwälte, Gerald Bachinger. Denn "die Telemedizin soll nie den Arzt und die empathische Kommunikation verdrängen". Der eingangs beschriebene Fall sei einmal mehr ein Beweis dafür, dass es eine Debatte über digitale Ethik brauche.

Generell überwiegen für den Patientenanwalt aber die positiven Auswirkungen der Digitalisierung. Ein Beispiel sei die telefonische Gesundheitsberatung, die unter der Nummer 1450 derzeit in fünf Bundesländern erreichbar ist. Patienten werden angehalten, bei gesundheitlichen Fragen, die keine Notfälle sind, zuerst dort anzurufen, bevor sie die Rettung alarmieren oder in die Spitalsambulanz fahren. In Niederösterreich habe man mit Hilfe dieser Beratung, die von qualifiziertem Gesundheitspersonal durchgeführt wird, bereits ein Drittel der Rettungstransporte einsparen können. "Es geht darum, das System zu entlasten", so Bachinger. Dadurch würden bei Hausärzten und in Ambulanzen Kapazitäten frei: "der Hausarzt wird freigespielt und hat nicht mehr nur zwei, sondern vielleicht fünfzehn Minuten Zeit für den Patienten".

Telemedizin gegen
Ärztemangel auf dem Land