Telemedizin hält Gerald Bachinger auch für ein probates Mittel gegen den Ärztemangel am Land, für die flächendeckende Betreuung von Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder der Lungenkrankheit COPD oder sogar als Ersatz für Krankenhausaufenthalte. Letzteres wäre im Sinne der Patientensicherheit.

Denn jährlich sterben in Österreich mehr als 2000 Menschen durch vermeidbare Infektionen mit Krankenhauskeimen. Laut der Weltgesundheitsorganisation erleidet in den Ländern mit hohem Einkommen jeder zehnte Patient während eines Spitalsaufenthalts einen Schaden. Rund die Hälfte dieser Fälle ist auf menschliche Fehler zurückzuführen, etwa auf Kommunikationsprobleme.

Hier kann der Einsatz digitaler Hilfsmittel von großem Nutzen sein, wie ein Projekt in Oberösterreich zeigt. Im Tumorzentrum gespag-Elisabethinen arbeiten neun Spitäler im ganzen Bundesland zusammen. Die Patienten werden nahe am Wohnort betreut, über "Tumorboards" können aber nicht nur der behandelnde Arzt auf die Krankengeschichte zugreifen, sondern - falls nötig - auch Experten aus den anderen Fachrichtungen. Gleichzeitig werden die Daten und Krankheitsverläufe anonymisiert und regelmäßig in Qualitätszirkeln ausgewertet. "Dadurch können wir an den Daten, die wir aus der Routine erheben, die Qualität unserer Arbeit messen", erklärt Ansgar Weltermann, der Leiter des Zentrums. Bisher wurden 25.000 Krebsfälle dokumentiert und analysiert und dadurch die Versorgung verbessert.

Für die Routineversorgung spielt laut Weltermann die Digitalisierung des Gesundheitswesens derzeit in erster Linie in Form der Vernetzung der bestehenden Systeme eine Rolle. Der Zugang zu Informationen und die Einrichtung geeigneter Schnittstellen ermöglichen eine bessere Datengrundlage, auf deren Basis medizinische Entscheidungen getroffen werden können. Allerdings: "Die Letztentscheidung muss immer beim Menschen liegen", betont Patientenanwalt Bachinger.

Zukunftsmusik
künstliche Intelligenz

So weit, dass Roboter tatsächlich in die Verlegenheit kämen, Entscheidungen zu treffen, ist aber alleine die technische Entwicklung noch lange nicht. "Die Künstliche Intelligenz im Sinne eines lernenden Systems steckt im medizinischen Bereich noch in den Kinderschuhen", so Weltermann. Es gebe zwar Forschungsprojekte, "aber wenn wir jetzt eine Studie durchführen, können wir erst in zehn Jahren tatsächlich etwas für die Menschen verbessern".

Etwa kann man mit Hilfe des "Next Generation Sequencing", einer schnelleren Methode zur Entschlüsselung der Erbinformation (Genom), bereits jetzt einen Tumor auf genetischer Basis untersuchen. Allerdings entstehen dabei drei Terabyte an Daten. Künstliche Intelligenz könnte diese Daten durchforsten, mit jenen anderer Patienten vergleichen und eine für den Arzt brauchbare Information auswerfen. Bis dies funktionieren kann, dauert es aber noch Jahre. "Derzeit fehlen uns die Daten anderer Patienten, Erfahrung aus Studien und die richtigen Medikamente", so Weltermann. Bereits möglich, aber noch teuer ist die Erstellung von Profilen mit der Genomanalyse. Dabei wird das gesamte Genom eines Menschen entschlüsselt, durch den Vergleich mit anderen Profilen werden Wahrscheinlichkeiten für die Entwicklung von Krankheiten wie Krebs bestimmt.