Brigitte Lutz. - © Lukas Lorenz
Brigitte Lutz. - © Lukas Lorenz

Es ist spät geworden. Wo und wann fährt der nächste Bus nach Hause? In Wien weiß das die App "Qando" der Wiener Linien, das weiß aber auch "Stadtfahrt" des privaten Entwicklers Stefan Poremba. Vor dem Haustor angekommen, sieht das aufmerksame Auge, dass eine Straßenlampe ausgefallen ist. Man meldet die Störung per "Sag’s Wien"-App an die Stadtverwaltung. Am nächsten Tag bekommt man die Benachrichtigung, dass die Lampe wieder leuchtet.

Damit Apps wie diese funktionieren, braucht es Open Data, also Daten, die öffentlich zur Verfügung gestellt werden. "Stadtfahrt" nützt Echtzeitdaten und das Routingservice der Wiener Linien. "Sag’s Wien" nützt das Adressservice Wien und basemap.at, die Verwaltungsgrundkarte von Österreich. Solch offene Datensätze erlangen in ganz Österreich immer mehr an Bedeutung. Frei zugänglich gemacht dürfen aber nur Daten werden, die keinen Bezug zu Personen oder zu kritischer Infrastruktur haben. Daten, deren Missbrauch die Gemeinschaft gefährden könnte, bleiben verschlossen.

- © Illustration: stock.adobe.com/meenkulathiamma
© Illustration: stock.adobe.com/meenkulathiamma

Daten für alle

"Das Bewusstsein für den Wert von Daten steigt, besonders seit mit dem Smartphone so viele Menschen Zugang zum Internet und zu den verschiedensten Apps haben", beobachtet Brigitte Lutz, Data Governance Koordinatorin der Stadt Wien. Sie ist auch Sprecherin der "Cooperation OGD Österreich", die seit dem Jahr 2011 Vertreter des Bundeskanzleramts, der Ministerien, des Parlaments, von Städten, Gemeinden und anderen staatlichen Institutionen zusammenbringt, um Standards für die Zugänglichmachung von Datensätzen festzulegen. In Wien sprießen die Open-Data-Apps aus dem Boden. Ob von großen oder von kleinen Unternehmen entwickelt, immer mehr Apps bereiten öffentliche Daten neu auf: Der "Wien Bot" etwa erklärt den Weg zum nächsten Mistplatz; "Mein Wien" zeigt, was sich im Grätzel tut; andere Apps informieren über die nächsten WLAN-Standorte, Wiens Hundezonen oder den aktuellen Stand der Luftverschmutzung. "Gerade haben wir die 250. App ausgezeichnet", berichtet Lutz, "und einige Start-ups haben bestätigt, dass es sie ohne Open Data gar nicht gäbe." Open Data ist wie ein Treibstoff für die unternehmerische Entwicklung, der Dienstleistungen für Bürger ermöglicht und letztendlich die Wirtschaft ankurbelt.

Eine Kultur des Teilens

Die Cooperation OGD Österreich hat die gute Basis der Entwicklung geschaffen: Zum ersten, indem die gesamte österreichische Verwaltung das Portal data.gv.at zur Veröffentlichung ihrer Daten verwendet. Zum zweiten, indem Open Government Data einfach genutzt werden kann: Es genügt, die Datenquelle im Impressum oder in der App zu nennen. In Deutschland hingegen wurde für OGD eine eigene Lizenz geschaffen, was den Zugang für kleine Entwickler kompliziert macht.

Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten müssen klar sein, sagt Brigitte Lutz: "In Wien haben wir ein ‚virtuelles Kompetenzzentrum‘ für Open Data eingerichtet." Zehn bis zwölf Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen der Stadt Wien teilen einmal monatlich Aufgaben untereinander auf. Die Publikation neuer Daten erfolgt dann quartalsweise, so Lutz: "Mit dem fixen Jahresterminkalender weiß jede Abteilung, wann sie Daten liefern soll. Es bringt auch mehr Aufmerksamkeit und zeigt die Kontinuität unserer Arbeit." In jeder Abteilung werden Experten dafür ausgebildet, wie Daten verwaltet, klassifiziert und beschrieben werden müssen. Denn offene Daten müssen vor allem eines sein: zuverlässig.

Mehr Mut zu Öffentlichkeit

Bei aller Genauigkeit können dennoch Fehler passieren, räumt Lutz ein: "Zu Beginn war unsere größte Frage, ob wohl ein Shitstorm kommt, wenn wir Daten mit mangelnder Qualität veröffentlichen." Es sei immer zielführender, so die Expertin, offen auf Fehler in den Datensätzen zu reagieren statt aus übertriebener Sorge gar nichts zu veröffentlichen. Lutz nennt das Beispiel des Mammutbaums, den ein App-Entwickler in Wien entdeckt hat. Bei der Neuvermessung für den Wiener Baumkataster war einem Mitarbeiter in einer Zeile ein Komma verrutscht. Plötzlich stand in Wien ein Baum mit einem Stammdurchmesser von 100 Metern. Lutz: "Die Fachabteilung hat das gleich korrigiert, und wir haben das zusätzliche Vier-Augen-Prinzip natürlich sehr begrüßt. Beschwert hat sich niemand."

Brigitte Lutz möchte die Idee von Open Data weiter popularisieren: "Wirtschaft und Wissenschaft sollten ebenso Daten offenlegen. Denn ein PDF kann man nicht maschinell auswerten, da sind die Daten eingesperrt."

Infos: digitales.wien.gv.at | data.gv.at