Ausschnitt aus dem Franziszeischen Kataster, 1829: Die Redaktion welcher Zeitung arbeitet heute auf den "Sauthor-Äckern"? - © Karte: BEV
Ausschnitt aus dem Franziszeischen Kataster, 1829: Die Redaktion welcher Zeitung arbeitet heute auf den "Sauthor-Äckern"? - © Karte: BEV

Das große Ziel: Alle gültigen Grundbuchsdaten sollten in eine elektronische Datenbank übertragen werden, um dann über Computerterminals in den einzelnen Bezirksgerichten abrufbar zu sein. Selbstverständlich sollten auch alle neuen Einträge nur noch digital erfasst werden. Von der ersten Idee bis zur Vollendung nahm das Projekt ein gutes Vierteljahrhundert in Anspruch. Heute gilt es als einer der großen Meilensteine der bürokratischen Modernisierung Österreichs. Oberhammer wusste, wie notwendig ein technisches "Upgrade" des Grundbuchs war, hatte aber auch die Durchsetzungsfähigkeit, so erinnert sich Auer, um das nötige Budget sicherzustellen. Das technische Know-how zur Programmierung der Datenbank kam aus dem Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen.

Was die Umstellung in der Praxis bedeutete: Sämtliche aktuellen Einträge aller Grundstücke des Landes mussten herausgesucht und an den neu angeschafften IBM-Computern abgetippt werden. Band für Band, Einlage für Einlage. "Wir haben bis zu zwölf Teams zu je sieben Leuten zusammengestellt, die durchs Land gefahren sind. Jeweils fünf Rechtspfleger und zwei Schreibkräfte", erinnert sich Auer.

13 Jahre Abtippen

Acht Jahre waren für diese Kopierarbeit angepeilt gewesen, geworden sind es dreizehn. Im Oktober 1992 war das Werk vollendet: Die kompletten Eigentumsverhältnisse des österreichischen Bodens waren digital abrufbar. Zu einer Zeit, als das "World Wide Web" gerade mal ein obskurer Begriff unter Computergeeks war.

"Nicht zuletzt aufgrund dieser vorausblickenden Anstrengung stehen wir heute gemeinsam mit Estland an der Spitze des digitalen Grundbuchwesens in Europa", bestätigt Manfred Buric. Er ist als Programmleiter in der Abteilung für Rechtsinformatik einer der obersten "Digitalisierer" im Justizministerium. "Ich habe 2010 begonnen, die mittlerweile ihrerseits in die Jahre gekommene Grundbuch-Datenbank in eine komplett neue Programm-Umgebung zu migrieren", erklärt Buric. "Seitdem ist das Grundbuch auch an den Elektronischen Rechtsverkehr angeschlossen, man kann also etwa die Gebühren sofort online bezahlen." Zurzeit ist Buric’ Team dabei, die letzte Hand-Unterschrift, die das System seinen Benutzern noch abverlangt, ebenfalls in eine digitale Autorisierung zu verwandeln. "Dann sind wir tatsächlich bei einem zu 100 Prozent digitalen Grundbuchsystem angelangt."

Ersparnis und Vereinfachung

Die Servicevorteile des heutigen Systems für den österreichischen Bürger sind im Vergleich mit den 1970er-Jahren augenscheinlich. Für eine relativ geringe Gebühr hat man in Sekundenschnelle jeden beliebigen Grundbuchsauszug auf dem Computerbildschirm. Früher nahm dieser Vorgang oft die teure Arbeitszeit eines Notars oder Anwalts in Anspruch. Eine Immobilie zu kaufen, wird dadurch nicht nur einfacher und billiger, unliebsame Überraschungen oder unerwartete Grenzstreitigkeiten kommen in Österreich nur äußerst selten vor.

Manfred Buric spricht hier vom "sekundären Bürgerservice" - und meint damit die enorme, aber "unsichtbare" individuelle Kostenersparnis und Vereinfachung des Lebens, die eine funktionierende digitale Bürokratie leisten kann. Gerald Kohl, Rechtshistoriker an der Universität Wien, unterstreicht den massiven wirtschaftlichen Effekt des österreichischen Grundbuchs: "Die hohe Rechtssicherheit bei Immobiliengeschäften ist ein Standortvorteil für Österreich. Das leistet das Grundbuch. Es nützt damit allen Bürgern."

Was steht im Grundbuch?
Das Grundbuch ist eine öffentlich zugängliche, digitale Datenbank, die vom Justizministerium verwaltet und vom Bundesrechenzentrum betrieben wird. In ihr werden die wichtigsten Informationen zu allen Liegenschaften Österreichs gespeichert. Das Grundbuch besteht aus zwei Teilen: dem Hauptbuch und der Urkundensammlung.

Im Hauptbuch werden die grundlegenden Fragen zu jeder Liegenschaft beantwortet: Wo liegt sie genau (Grundstücksnummer und Adresse)? Wie groß ist sie? Wem gehört sie, zu welchen Anteilen und seit wann? Was sind die Bestandteile der Liegenschaft? Welche Belastungen sind mit ihr verbunden? Das können zum Beispiel Pfandrechte von Banken sein. (Über den aktuellen Stand der Schuldentilgung gibt es aber keine Auskunft.) Es können auch sogenannte Dienstbarkeiten sein, also etwa das Recht eines Nachbarn, das Grundstück zu überqueren oder das Baurecht einer anderen Person auf dem Grundstück.

Die Urkundensammlung enthält Kopien aller Urkunden, aufgrund derer eine Eintragung ins Grundbuch vorgenommen wurde. Das sind also etwa Kaufverträge oder Darlehensverträge. Einen Grundbuchsauszug erhält man über eine von zehn Verrechnungsstellen - erreichbar über oesterreich.gv.at. Für einen Auszug verrechnet die Republik rund vier Euro.