Unser Kind geht in eine iPad-Klasse." Erzählt man das, so sind die Reaktionen immer die gleichen. Je jünger die antwortende Person, desto eher kommt ein neidisches "Cool!". Je älter, desto eher heißt es: "Oh nein, noch mehr Zeit vor dem Bildschirm! Die armen Kinder sind ohnehin schon so abhängig von Handy und Tablet!"

Als wir uns entschlossen, unser Kind in eine iPad-Klasse zu schicken, hatten wir zwar keine genaue Vorstellung, wie das laufen würde, aber eines wussten wir: Die Zukunft findet an digitalen Geräten statt, ist vernetzt, bedient sich dieser Technologien. Und darauf wollten wir unseren Nachwuchs vorbereiten.

Sicherheit gab uns die Tatsache, dass die Neue Mittelschule Kenyongasse, in die unser Kind gehen würde, schon Erfahrung mit iPad-Klassen hatte. Die WLAN-Infrastruktur läuft dort seit Jahren, und vonseiten der Direktion wurde uns ein Gefühl der Souveränität im Umgang mit Internet, iPad, Apps und dergleichen vermittelt (siehe Interview unten). Ein durchdachtes und nachvollziehbares Regelwerk für den teils digitalen, teils analogen Schulalltag war auf der Schulwebsite einzusehen.

Arbeitsgerät statt Spielerei

Wichtigster Punkt für uns war: Das iPad wird als Arbeitsgerät im Unterricht eingesetzt, in den Pausen wird es dagegen weggesperrt. Dafür hat jedes Kind ein Schließfach. Handys sind in der Schule ohnehin tabu. Nicht in jeder Unterrichtsstunde wird das iPad verwendet, Bücher und Hefte kommen genauso oft zum Einsatz. Von einer leichteren Schultasche kann daher keine Rede sein, ganz im Gegenteil. Jede Woche gibt es eine Stunde EDV sowie ein Freifach "Arbeiten mit dem iPad".

Bereits während des ersten Elternabends wurde klar: Auch den Familien zu Hause wird da einiges an Kooperation abverlangt. Aber wir alle hatten uns bewusst entschieden, mitzuspielen und auch die Kosten für das Gerät zu übernehmen. Natürlich ist das in einer Privatschule leichter zu argumentieren. Das Gefühl, einbezogen zu werden, war dennoch wichtig. Nach Weihnachten, als die ganze Klasse nicht mehr mit den Schulgeräten, sondern mit eigenen iPads ausgestattet war, sollte sich herausstellen, dass auch die Erziehungsarbeit zu Hause neue Impulse bekam. Wie verhält man sich im Internet? Was ist sinnvoll, was gefährlich? Diese Fragen musste jede Familie für sich beantworten

Hausaufgaben für Eltern

Wie lange die Kinder das Gerät täglich nutzen dürfen, war die erste Hürde, die es gemeinsam zu überwinden galt. Denn natürlich waren nach den Hausaufgaben Spiele, YouTube & Co. interessanter als alles andere. Es folgte ein eigener Elternabend, bei dem sich Eltern und Lehrer auf eine zeitliche Einschränkung zwischen 8 und 20 Uhr einigten.