Alexander Schreibmaier ist seit sechs Jahren Direktor der NMS Kenyongasse, einer Privatschule im siebten Wiener Gemeindebezirk. Die Digitalisierung der Schule war ihm von Anfang an ein Anliegen. "Im Dezember bin ich gekommen, in den Weihnachtsferien haben wir das Konzept geschrieben, und im Herbst darauf sind wir gestartet", beschreibt er den zeitlichen Vorlauf.

Das sei schon sehr ambitioniert gewesen, gibt er im Nachhinein zu und meint: "Wir haben unser Lehrgeld gezahlt!" Mindestens ein Jahr Vorlaufzeit empfiehlt er allen Kollegen, die sich in Sachen digitale Schule ans Werk machen.

"Das ist aber sehr abhängig von der Lehrerschulung", betont Schreibmaier. "Es wird unterschätzt, dass erst auch die Lehrer Geräte brauchen und geschult werden müssen." Angefangen habe es in der Kenyongasse mit zwei Lehrern, die sich auskannten. "Sie haben das ganze Kollegium motiviert, das war eine wichtige Voraussetzung."

Am Beginn stand in der Kenyongasse eine "Kofferlösung", das heißt 25 Geräte, die je nach Bedarf in die Klassen gebracht wurden. Keine ideale Lösung, sind sich Direktor und Lehrer inzwischen einig. Denn auf Leihgeräten dürfen Schüler ihre Arbeiten nicht speichern.

Dass man sich für Apple iPads entschieden habe, sei eine Kosten-Nutzen-Frage gewesen. "Stabile, leicht und schnell benutzbare Geräte, die lange funktionieren und wenig Virenproblematik mitbringen sowie ein gutes Lehrer-Trainingsprogramm", fasst Schreibmaier die Gründe dafür zusammen.

"Unser Ziel ist, dass jeder Schüler ein eigenes Gerät hat." Mittlerweile gibt es in der NMS Kenyongasse eigene iPad-Klassen, andere arbeiten mit den schuleigenen Geräten. Der digitale Unterricht sollte es Kindern ermöglichen, im eigenen Tempo zu arbeiten, selbstständig Inhalte zu erstellen, Projekte umzusetzen. Das sei besonders in einer Mittelschule, wo Kinder sehr unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen, ein Vorteil, betont der Direktor.

Von Kosten und Werten

Allerdings müssen auch die Lehrer den Unterricht anders konzipieren, sich überlegen, wie sie Apps und Programme in ihren Unterricht einbauen. Leider sei das bislang nicht Inhalt der Lehrerausbildung. "Das müssen auch Lehrer erst lernen", räumt Schreibmaier ein.

Das Dreigestirn des schulischen Engagements ist jedoch erst komplett, wenn auch die Eltern mitspielen. Die Kostenfrage - mit etwa 400 Euro muss für ein Tablet schon gerechnet werden - ist dabei noch das geringste Problem. "Rechnet man das auf vier Jahre minus Sommerferien, so kommen zehn Euro im Monat heraus. Das ist es sicher wert, um die Kinder besser auf die Zukunft vorzubereiten."

Wichtig ist, auch die Eltern mitauszubilden. "Wir machen Eltern-Coachings bei unseren Elternabenden. Das geht aber nur, weil wir eine hohe Anwesenheitsquote haben." Und dann gibt es da noch die laufenden Kosten für den Schulbetreiber: "Die Infrastruktur, das WLAN, Beamer - da tun sich permanent neue Fehlerquellen auf. Das bedeutet Kosten ohne Ende!" Eine Warnung fügt er noch hinzu: "Das Dümmste, was man als Schule machen kann, ist freies WLAN für alle Geräte, sodass die Schüler mit ihren Handys jederzeit surfen können. Das tun sie dann auch, schauen YouTube und spielen online. Deshalb ist bei uns das Handy während des Schultages tabu." Damit die Kinder im Unterricht wirklich am Tablet arbeiten, gibt es ein Überwachungssystem. Dieses ermöglicht es den Lehrern auch, die iPads in den Pausen zu sperren.

Ziel soll es sein, so Schreibmaier, den Kindern eine wichtige Kulturtechnik beizubringen: "Wir geben ihnen das Werkzeug und helfen ihnen, sich selbst zu helfen."