Der Pionier der modernen Managementlehre und gebürtige Österreicher Peter Drucker führte bereits 1968 den Begriff Knowledge Worker, also Wissensarbeiter ein. Damit sind Menschen gemeint, die ihr Geld für die Lösung von Problemen bekommen, für die der Weg erst gefunden werden muss.

Drucker formulierte auch: "Wissen kann man nicht managen - es sitzt zwischen zwei Ohren." Somit entscheiden die jeweiligen Wissensträger selbst, was sie von ihrem Wissen in welcher Weise der Organisation, die sie bezahlt, zur Verfügung stellen. Zudem sind Wissensarbeiter, seien es Legisten, Waldbiologen oder Data Scientists, ihrem Fachgebiet zumindest ebenso verbunden wie ihrer Organisation. Ihre Disziplin macht einen wesentlichen Teil ihrer Identität aus. Gleichzeitig ist die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Wissensarbeiter die wichtigste Ressource von Organisationen und Organisationseinheiten, die im Geschäft der Generierung und Nutzung von Wissen tätig sind. Das Dilemma, demzufolge traditionelle Management- und Führungstechniken nur schwerlich geeignet sind, die Produktivität von Wissensarbeitern für die Organisation möglichst nutzbringend zu erschließen, ist durchaus auflösbar.

Autonome Arbeitsbedingungen

Wissensarbeiter benötigen innerhalb eines klar und funktional definierten Rahmens autonome Arbeitsbedingungen und die Möglichkeit, Innovationen zu entwickeln, die auch aufgegriffen werden. Hieraus sowie auch aus einem Gefühl der sozialen Zugehörigkeit entsteht ihre Loyalität. Sie akzeptieren Führungskräfte dann, wenn diese ihrerseits Experten sind - nicht unbedingt in derselben Disziplin. Führungskräfte werden dann anerkannt, wenn sie den Wissensarbeitern ihrerseits Respekt und Wertschätzung erweisen und für förderliche Arbeitsbedingungen sorgen. Hierzu gehören auch der Schutz vor (mikro-)politischen Machtspielen, rigider Kontrolle und überbordenden Kompensationspflichten.

Wissensarbeiter kann man vor allem durch herausfordernde Aufgaben, wirksame und kraftvolle Ziele sowie Möglichkeiten persönlicher Entwicklung motivieren. Sie schätzen fachlichen Austausch, insbesondere mit Personen, von denen sie etwas mitnehmen oder lernen können.

Austausch auf Augenhöhe

Voraussetzung gelingender fachlicher Kommunikation ist ein Geben und Nehmen in einer fairen Austauschrelation. Die Organisation kann dies durch Ermöglichen von kollegialen Austauschprozessen auf Augenhöhe sowie durch partizipativ entwickelte und genutzte Datenbanken erreichen. Wissen wird jedoch nicht bloß deshalb hergegeben, weil es die Organisation so verlangt. Dies erklärt, wieso Organisationen, die vorwiegend auf IT-Tools setzen und die soziale und auf Fairness angelegte Komponente des Austauschs von Wissensträgern vernachlässigen, in ihren Versuchen Wissensmanagement zu betreiben, regelmäßig scheitern.