Automatisiertes Fahren ist ein weiteres wichtiges Anwendungsfeld für 5G. "Technisch gesehen sind selbstfahrende Autos heute schon möglich. Die Fahrzeuge sind bereits mit einer Vielzahl an Sensoren ausgestattet. Gemeinsam mit dem Navigationssystem assistieren sie dem Fahrer. Aber die Vernetzung der Fahrzeuge untereinander und mit einem Verkehrsleitsystem, das vor Staus warnt und die Autos rechtzeitig herunterbremst, das wird erst mit 5G möglich", so Emini.

Carmen und die Roboter

"Die Autohersteller haben neben eigenen Lösungen bereits einen allgemeinen Standard entwickelt, damit sich selbstfahrende Fahrzeuge sämtlicher Hersteller künftig vernetzen können", erzählt Driton Emini. "Im Rahmen des Projektes ‚Carmen‘ testen Kfz-Hersteller, Straßenbetreiber, IT-Lösungsanbieter und Mobilfunkprovider derzeit in einem ‚digitalen Korridor‘ zwischen München und Bologna Anwendungen für den digitalisierten Verkehr", führt er weiter aus.

Interessant ist die fünfte Mobilfunkgeneration auch für Unternehmen, die sich im Produktionsbereich sogenannter Campus-Lösungen bedienen. "Derzeit wird hier auf WLAN-Basis gearbeitet, dabei stößt man aufgrund der Datenfülle jedoch bereits an Grenzen", erläutert der Netzwerk-Experte. Werden Industrie-Roboter in den Produktionshallen bewegt, müssen sie sich immer wieder in neue WLAN-Hotspots einhängen. Es kommt zu Verzögerungen, die die Produktion ausbremsen. "Besonders wenn man Produktionslinien umstellt, um flexibler auf Anforderungen reagieren zu können, ist das im Moment aufwändig und teuer. Das verlangt nämlich eine Neuverkabelung jedes einzelnen Roboters. Mit der hohen Datenkapazität bei 5G geht das einfacher. Die Roboter sind mobil ans Campus-Netz angeschlossen und können leichter umpositioniert werden", so Emini.

Nicht zuletzt bieten Campus-Netze auch Sicherheits-Vorteile. Es handelt sich dabei nämlich um in sich geschlossene Netze, die nicht am öffentlichen Internet hängen. "Die Firma kann festlegen, dass Produktions- und Maschinendaten nur innerhalb des Campus verfügbar sind. Wartungschecks hingegen können via Internet von außen erfolgen. Damit ist ein Zugriff auf die Produktion von außen nicht möglich, was viel zur Sicherheit der Unternehmensdaten beiträgt", erläutert der 5G-Experte.

Gut gegen Landflucht

"Wir bekommen auch immer wieder Anfragen von Bürgermeistern, die in ihren ländlichen Gemeinden keine breitbandige Internet-Anbindung haben. Sie brauchen diese, um mobiles Arbeiten in der Gemeinde zu ermöglichen und so der Abwanderung entgegenzuwirken", erzählt Emini. Womöglich würden auch die Jugendlichen am Land die Abgeschiedenheit als weniger belastend empfinden, wenn sie Entertainment-Möglichkeiten hätten, die sie virtuell mit dem puliserenden Leben anderswo verbinden.

Landflucht verhindern, die Work-Life-Balance verbessern, den Wohnungsmangel im urbanen Raum entschärfen und Pendlerströme reduzieren, via 5G wäre dies jedenfalls möglich.