Eine der größten Herausforderungen im Rechtsbereich ist es, immer auf dem aktuellen Stand der Gesetzgebung zu sein und diese dann auch mit den richtigen Klienten oder Datensätzen und Policies zu verbinden. Das erfolgt derzeit in vielen Fällen manuell und mit Mitarbeitern, die genau dieses Detailwissen und die dazu gehörende Vernetzung in ihren Köpfen haben. Eine eigene Art von Start-ups nimmt sich dieses Themas an. Eines davon ist das deutsche Start-up Taxy.io, das sich mit dem Steuerrecht einen konkreten Rechtsbereich vornimmt. Die Methodik wird auf Dauer auch auf andere Rechtsbereiche anwendbar sein.

Maschinen lesen schneller

Taxy.io ist ein Spin-off der Technischen Hochschule Aachen, das sich mittels Künstlicher Intelligenz der Automatisierung des Steuerrechts widmet. Ein Team aus Informatikern, Wirtschaftsingenieuren und Steuerberatern entwickelt eine Technologie, die gesetzliche Primär- und Sekundärliteratur für Software verständlich macht und dann mit individuellen Mandanten-Situationen abgleicht. Somit schafft das Tool einen zentralen Informationshub für digitale steuerrechtliche Intelligenz, der derzeit von Mitarbeitern in Finanz- und Steuerabteilungen für Handlungsempfehlungen genutzt, aber auch in Applikationen von Drittanbietern integriert werden kann.

Enthusiasmus für Steuerrecht: Sven Peper, Geschäftsführer von Taxy.io, beim Legal Tech Hub Vienna. - © Marlene Rahmann
Enthusiasmus für Steuerrecht: Sven Peper, Geschäftsführer von Taxy.io, beim Legal Tech Hub Vienna. - © Marlene Rahmann

Was steckt dahinter: Steuervorschriften, Urteile und Sekundärliteratur werden mit Algorithmen aufbereitet. Mit Machine Learning und Natural Language Processing werden dann bestehende interne, unstrukturierte Klientendaten extrahiert, analysiert, strukturiert und maschinenlesbar gemacht, damit die notwendigen rechtlichen Informationen bereitgestellt werden können. Mit semantischer Suchtechnologie werden die für den Mandanten relevanten Informationen in der steuerrechtlichen Literatur gefunden. Danach erfolgt ein automatisiertes Abgleichen der rechtlichen Themen und individueller Mandanten-Akten durch semantische Matching-Technologie und Netzwerkanalysen. Schließlich erhält der Benutzer ein individuelles Update - zum Beispiel als E-Mail. Es obliegt dem Benutzer, welche nächsten Schritte er mit dieser Information setzt. Gegründet wurde das Start-up von vier jungen Männern, die einander schon aus der Schule kennen: CEO Sven Peper hatte bereits während des Wirtschaftsingenieur Studiums an der RWTH Aachen eine erste erfolgreiche Firmengründung hinter sich gebracht. Daniel Kirch konzentriert sich als CFO und Wirtschaftsingenieur, ehemaliger Unternehmensberater und VC auf das Geschäftsmodell und genügend Finanzierung. CTO Steffen Kirchhoff erforscht und entwickelt die künstliche Intelligenz hinter Taxy.io. Er ist Informatiker und war zuvor Data Scientist und Forscher in Harvard. Sven Weber, der CIO, ist Informatiker und Plattform-Experte und entwickelt das technische Rückgrat des Unternehmens.

Viele Anwendungsbereiche

Derzeit gibt es diese Anwendung "nur" für das Steuerrecht in Deutschland, sie wird gerade auf Österreich ausgerollt. Die Methodik ist allerdings für viele rechtliche Bereiche anwendbar. Gerade in großen Banken oder bei der öffentlichen Hand gibt es viele Bereiche, in denen verlässliche und laufende Aktualität von Dokumenten und Regelungen wichtig sind.

Dazu ist in den nächsten Jahren viel inhaltliche Aufbereitung notwendig. Taxy.io und andere Start-ups bilden hier die Speerspitze, die Aufbereitung der Inhalte ist aber noch immer menschliche Arbeit, sogenannte Annotationsarbeit, die die Grundlage für das Machine Learning bereitet. Wir stehen hier am Anfang einer spannenden Reise.

Vorreiter Legal Tech Hub

Taxy.io ist eines von fünf Start-ups, die erfolgreich den ersten Batch des Legal Tech Hub Vienna durchlaufen haben. Dieses Accelerator-Programm wurde im Oktober 2018 von den Rechtsanwaltskanzleien Dorda, Eisenberger & Herzog, Herbst Kinsky, PHH, Schönherr SCWP Schindhelm und Wolf Theiss gemeinsam ins Leben gerufen und wird operativ von Future-Law betrieben. Diese kanzleiübergreifende Initiative ist bis dato in dieser Form einzigartig. Ziel ist es, die Rechtsberatungsbranche proaktiv, Mandanten-orientiert und innovativ in die digitale Zukunft zu führen.