Vorbereitungen für eine Darmoperation mit Da Vinci Xi am Landesklinikum Wiener Neustadt. Der Chirurg Clemens Bittermann (rechts) setzt manuell Zugänge für die Arme des Robotersystems. Auf dem Monitor links im Hintergrund ist bereits ein vergrößertes 3D-Bild des Bauchinneren zu sehen. Das System Da Vinci war bisher marktbeherrschend und erfuhr erst in den vergangenen zwei Jahren Konkurrenz durch andere Systeme. - © Christoph Liebentritt
Vorbereitungen für eine Darmoperation mit Da Vinci Xi am Landesklinikum Wiener Neustadt. Der Chirurg Clemens Bittermann (rechts) setzt manuell Zugänge für die Arme des Robotersystems. Auf dem Monitor links im Hintergrund ist bereits ein vergrößertes 3D-Bild des Bauchinneren zu sehen. Das System Da Vinci war bisher marktbeherrschend und erfuhr erst in den vergangenen zwei Jahren Konkurrenz durch andere Systeme. - © Christoph Liebentritt

Da Vinci ist überraschend groß, geradezu ein Koloss. Der Chirurgieroboter ragt fast bis unter die Decke des Operationssaales im Landesklinikum Wiener Neustadt, dem zweitgrößten Klinikum der NÖ Landeskliniken-Holding. Es ist kaum vorstellbar, wie dieses Gerät mit seinen vier Armen die Präzision eines menschlichen Chirurgen verbessern soll. Doch genau dafür ist Da Vinci da. "Die minimalinvasive OP-Technik wird durch die Roboterassistenz vereinfacht, verfeinert und dadurch massiv erweitert", sagt Clemens Bittermann. Er ist Chirurg am Landesklinikum Wiener Neustadt und seit vielen Jahren mit der Roboterchirurgie und dem Da-Vinci-System vertraut. An diesem Tag ist es eine komplexe Darmoperation, die mit Unterstützung von Da Vinci durchgeführt wird.

Besser operieren

Die vier OP-Arme Da Vincis enden in sogenannten "Endowrist"-Gelenken, die anders als die menschliche Hand, quasi in jede Richtung frei beweglich sind, und zwar um 570 Grad. Da Vinci kommt damit auf sieben Freiheitsgrade, die menschliche Hand kommt auf zwei bis drei. Die Endowrist-Gelenke führen die Operationsinstrumente, gesteuert vom Chirurgen. Einer der Arme Da Vincis trägt eine endoskopische Kamera, die dem operierenden Chirurgen ein gestochen scharfes und optisch bis zu zehnmal vergrößertes 3D-Bild von der Operation liefert. Digital ist sogar eine 40-fache Vergrößerung möglich.

Chirurgie-Vorstand Friedrich Längle (l.) und Oberarzt Clemens Bittermann sind von der roboterassistierten Chirurgie überzeugt. Bereits seit 2015 wird am LK Wiener Neustadt mit Da Vinci operiert. - © Christoph Liebentritt
Chirurgie-Vorstand Friedrich Längle (l.) und Oberarzt Clemens Bittermann sind von der roboterassistierten Chirurgie überzeugt. Bereits seit 2015 wird am LK Wiener Neustadt mit Da Vinci operiert. - © Christoph Liebentritt

Wenn mit Da Vinci operiert wird, klingt es, als stünde man an der Scannerkasse eines Supermarktes. Das regelmäßige Tuten, das an die Scannerkasse erinnert, wird dann und wann vom Geräusch einer Fehlermeldung unterbrochen, wie man es auch vom heimischen PC kennt. Ansonsten ist nur das Rauschen der Kühlung zu hören und - über Lautsprecher - die Anweisungen von Clemens Bittermann für das OP-Personal am Operationstisch.

Das Da-Vinci-System ist seit seiner Erstzulassung im Jahr 2000 der Platzhirsch unter den roboterchirurgischen Systemen. Bis vor Kurzem hatte das System des amerikanischen Herstellers Intuitive quasi ein Monopol auf diesem Markt. 926 Da Vincis wurden allein 2018 weltweit verkauft. "Durch den Da Vinci ist die Digitalisierung auch in der Chirurgie angekommen", sagt Bittermann über den Einfluss der Innovation. Das System gibt es inzwischen in der fünften Generation und erst seit 2018 wächst die Konkurrenz für das Erfolgsprodukt. So wurde Ende 2018 der Chirurgieroboter "Versius" von CMR Surgical, einem britischen Unternehmen, für den europäischen Markt zugelassen. "Senhance" wiederum ist eine neue Plattform von TransEnterix, bei der der Chirurg die endoskopische Kamera durch Augenbewegungen steuern kann.

Da Vinci mit steril verpackten Armen vor der Operation: Das Robotersystem Da Vinci Xi ist bereits die fünfte Generation seit der US-Erstzulassung von Da Vinci im Jahr 2000. - © Christoph Liebentritt
Da Vinci mit steril verpackten Armen vor der Operation: Das Robotersystem Da Vinci Xi ist bereits die fünfte Generation seit der US-Erstzulassung von Da Vinci im Jahr 2000. - © Christoph Liebentritt