So gut wie jeder Mensch, der in Österreich zu Hause ist, hat mit ihr zu tun. Doch wahrscheinlich sind nur Brancheninsider im Bilde darüber, dass es die ITSV GmbH überhaupt gibt, was sie leistet und warum sie für das Funktionieren des österreichischen Gesundheitswesens so wichtig ist. Gegründet im Jahr 2004 von den Sozialversicherungsträgern und ihrem Hauptverband, steuert das Unternehmen seitdem alle IT-Aktivitäten der Sozialversicherung. Von der elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) über die E-Medikation oder das elektronische Kommunikationsservice (eKOS) bis zum Service-Portal "meine SV" - alles, was die Digitalisierung der österreichischen Sozialversicherung vorantreibt, koordiniert die ITSV. Ihre 730 Mitarbeiter kümmern sich also gewissermaßen um das digitale Nervensystem des heimischen Gesundheitswesens.

Einer für alle

Am Anfang stand das Kostenargument im Vordergrund, erinnert sich Co-Geschäftsführer Erwin Fleischhacker ohne jegliche Tendenz zur retrospektiven Verklärung: "Jeder Sozialversicherungsträger hatte sein eigenes Rechenzentrum, leistete sich seine eigene Software-Entwicklung, während die Anforderungen von Jahr zu Jahr komplexer wurden - und dabei lagen die Synergien, die man nutzen könnte, auf der Hand." Also wurden die Agenden in der ITSV gebündelt, die Rechenzentren zusammengelegt und fortan nur noch gemeinsame IT-Services für alle Sozialversicherungsträger entwickelt.

Hubert Wackerle (links) und Erwin Fleischhacker stehen seit 2004 an der Spitze der ITSV. - © Dieter Sajovic
Hubert Wackerle (links) und Erwin Fleischhacker stehen seit 2004 an der Spitze der ITSV. - © Dieter Sajovic

Der erhoffte Spareffekt trat ein. Heute kostet der gesamte IT-Bereich der Sozialversicherung etwa genausoviel wie im Jahr 2007 - trotz eines vielfach größeren Angebots und Großprojekten wie ELGA. "Unser Vorteil war, dass wir von Null starten konnten", blickt Hubert Wackerle zurück, der zweite der beiden Geschäftsführer. "Wir haben die Expertise aus den alten Strukturen zusammengeführt, haben uns neues Know-how dazugeholt, und wir haben dafür gesorgt, dass alle stets an gemeinsamen Zielen arbeiten - mit einer zentralen Steuerung." Doch an den Kosten alleine sollte man Erfolg im Sozialbereich wohl nicht messen, bei einem öffentlichen Dienstleister geht es um mehr als ums Geldsparen. "Wir arbeiten im Dienst des Kunden, deshalb haben wir von Anfang an die Customer Experience in den Mittelpunkt gestellt", sagt Wackerle. "Das heißt, wir betreiben viel Aufwand, um die Customer Journey zu analysieren und den Endkunden zu verstehen."

Donau, Insel, U-Bahn: Blick aus den Büros der ITSV in Wien. - © Michael Nagl
Donau, Insel, U-Bahn: Blick aus den Büros der ITSV in Wien. - © Michael Nagl

Wechselwirkungen

Als Sozialversicherungskunde hat man in den letzten Jahren tatsächlich mehrere spürbare Neuerungen miterlebt. Das im Jahr 2015 gestartete Online-Portal "MeineSV" gibt jedem Versicherten die Möglichkeit, zahlreiche Services online zu erledigen - vom Antrag auf Kinderbetreuungsgeld bis zum Einblick ins Pensionskonto (ePK). Ein anderes beliebtes Feature ist die Abwicklung der Wahlarzt-Kostenrückerstattung: Man lädt einen Scan oder ein Foto der Rechnung hoch, und bei positiver Erledigung hat man einige Tage bis Wochen später das Geld auf seinem Konto. Gerade an diesem Beispiel erlebt die gesamte Gesundheitsbranche, welch dynamisierende Effekte ein einfach zu handhabendes digitales Service in kurzer Zeit haben kann. "Seit drei Jahren geht die Kurve der eingereichten Wahlarztrechnungen steil nach oben", erklärt Hubert Wackerle. "Jedes Jahr steigt die Zahl um 20 %, 2018 standen wir schon bei fünf Millionen Einreichungen. Bei der Wiener Gebietskrankenkasse zum Beispiel kommt bereits jede zweite eingereichte Rechnung digital."