Der OP-Roboter Da Vinci im Einsatz. - © Christoph Liebentritt
Der OP-Roboter Da Vinci im Einsatz. - © Christoph Liebentritt

Pro: "Roboterassistierte Systeme werden die Chirurgie sicherer machen"

 "Es besteht kein Zweifel, dass sich die Medizin im Wandel befindet. Digitalisierung plus Superspezialisierung auf der einen Seite und Arbeitszeitgesetz plus verträglichere Work-Life-Balance auf der anderen Seite lösen das Bild der ChirurgInnen der "guten, alten Zeit" ab. Naturgemäß stehen wir Veränderungen skeptisch gegenüber, besonders wenn es die von Empathie geprägte Arzt-Patienten-Beziehung betrifft. Es scheint kaum vorstellbar, dass ein Roboter einen operativen Eingriff an uns vornimmt, wie wir auch selbstfahrenden Autos mit Sorge begegnen.

Andererseits kann man die Fakten nicht ignorieren. Operationen werden minimalinvasiv über kleine Öffnungen oder endoskopisch vorgenommen, die Bewegungen der Instrumente werden immer minutiöser und intraoperative Bildgebung, Navigation plus Augmented Reality finden Einzug in unsere bereits jetzt hochtechnologisierten OP-Säle. Während die Eingriffe immer diffiziler und komplexer werden, vermindert die Erwartungshaltung der PatientInnen deren Bereitschaft für die Ausbildung junger ChirurgInnen "herzuhalten".

Anstatt wie früher Tag und Nacht im OP zu stehen, lässt die begrenzte Arbeitszeit neben Nachtdiensten oft nur einen OP-Tag pro Woche für AssistenzärztInnen zu. Vor diesem Hintergrund führt an der Entwicklung von OP-Simulatoren zur Ausbildung kein Weg vorbei. Die kommenden Generationen von ChirurgInnen sind mit Gameboys, Tablets und Virtual Reality groß geworden und werden dies wie selbstverständlich annehmen. Natürlich ist der Mensch als biologisches System schwer abbildbar, und es werden viel komplexere Simulatoren mit haptischem Feedback notwendig sein, als dies beispielsweise bei Flugsimulatoren derzeit der Fall ist. Vom OP-Simulator ist dann der Weg zur roboterassistierten Chirurgie vorgebahnt. Die heute verfügbaren Systeme, bei denen durch einen Telemanipulator die Hand- und Fingerbewegungen an einen ferngesteuerten Roboter übermittelt werden, sind in einzelnen chirurgischen Disziplinen bereits etabliert.

Die Entwicklung von Robotern und Künstlicher Intelligenz ist rasant und findet zunehmend Einzug auch in die Medizin. Gilt jahrelange Ausbildung und Erfahrung nach wie vor als entscheidend (beispielsweise zur Melanom-Erkennung), so ist die Überlegenheit automatisierter Systeme, die in Sekundenbruchteilen auf Abertausende Vergleichsbilder zurückgreifen, für die Zukunft vorprogrammiert. Es steht außer Frage, dass das manuelle und taktile Geschick erfahrener ChirurgInnen derzeit noch nicht maschinell erreicht werden kann, da insbesondere das taktile Feedback fehlt. Viele Operationen haben uns zudem gelehrt, auf bekannte und neue Situationen adäquat zu reagieren. Nichtsdestotrotz ist zu erwarten, dass diese technischen Probleme gelöst und Datenbanken entstehen werden, die mehr Operationssituationen gespeichert haben, als ChirurgInnen sie je erinnern könnten.