"Wiener Zeitung": Herr Dr. Urbantschitsch, Smart Meter, also digitale Stromablesegeräte, sind ein heißes Thema für Konsumenten. Insbesondere die alle 15 Minuten erfolgende Ablesung verunsichert die Menschen. Muss man selbst aktiv werden, wenn man das nicht will?

Wolfgang Urbantschitsch: Nein, man muss nicht selbst aktiv werden. In der Standardkonfiguration wird einmal am Tag ein Zählwert übermittelt. Möchte ich, dass Viertelstundenwerte erhoben und übermittelt werden, werden diese auch im Nachhinein übertragen. Dann mache ich vom "Opt-In"-Recht Gebrauch, dafür muss ich aber explizit meine Zustimmung geben.

Was für einen Vorteil hat es, alle 15 Minuten den Strom abzulesen?

Wolfgang Urbantschitsch, Vorstand der E-Control. - © E-Control
Wolfgang Urbantschitsch, Vorstand der E-Control. - © E-Control

Künftig wird es Stromprodukte geben, deren Tarife tageszeitabhängig sind. Dafür sind die 15-Minuten-Werte eine Voraussetzung.

Was passiert mit diesen Daten? Unterliegen sie dem Datenschutz?

Die Daten bleiben beim Netzbetreiber, es sei denn, man nützt ein Produkt, für das sie benötigt werden. Dann muss der Netzbetreiber sie dem Energielieferanten weitergeben, mit Zustimmung des Kunden. Der Netzbetreiber ist gesetzlich verpflichtet, alle Maßnahmen zu ergreifen, um die Datensicherheit zu gewährleisten. Allerdings verfügen immer die Kunden über ihre Daten, sie entscheiden, ob sie weitergegeben werden.

Kann der Kunde das Smart Metering noch weiter zurückschrauben?

Ja, das ist die "Opt-Out"-Möglichkeit. Dann wird zwar ein digitales Messgerät eingebaut, dieses übermittelt aber nur anlassbezogen Daten, etwa bei einer Tarifänderung oder zu Jahreswechsel, wenn die Netzentgelte geändert werden. Es wird wie ein alter Zähler abgefragt. Man muss nur nicht vor Ort sein, wenn abgelesen wird.

Die Energieversorger sind per Gesetz verpflichtet, ihre Kunden mit Smart Metering anzubinden?

Genau, diese Entscheidung wurde vor einigen Jahren getroffen und geht auf eine Verordnung des damaligen Energieministers zurück, basierend auf einer gesetzlichen Grundlage. Als Regulierungsbehörde achten wir darauf, dass die Leute neutral informiert werden. Gibt es Probleme, helfen wir weiter, klären über Rechte auf, machen Streitschlichtungsverfahren. Wobei ich sagen muss, es ist nicht sonderlich viel, was da im Zusammenhang mit der Smart-Meter-Ausrollung an uns herangetragen wurde.

E-Autos sollen bald die Mobilität dominieren. Sie gelten als umweltfreundlicher, brauchen aber auch Strom. Erhöht sich so der Stromverbrauch? Was passiert bei Engpässen, werden Haushalte und Unternehmen dann vorrangig versorgt?