Blick vom Donauturm auf das nächtliche Wien. - © ver0nicka - stock.adobe.com
Blick vom Donauturm auf das nächtliche Wien. - © ver0nicka - stock.adobe.com

Das Stromnetz der Zukunft wird komplexer funktionieren als das von heute. Soviel steht fest. Denn die Transformation auf Seiten der Stromerzeuger hat längst begonnen: Immer mehr Klein- und Kleinstproduzenten treten auf den Plan - vom Wasserkraftwerk am Waldbach bis zur Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Einfamilienhauses. Nicht nur aus Klimaschutzgründen, sondern auch, weil etwa die Solarzellen-Technik in den letzten Jahren merklich effizienter und erschwinglicher geworden ist. Das wachsende Bedürfnis in der Bevölkerung, "eigenen" Strom zu produzieren, statt sich nur auf die Belieferung "von oben" zu verlassen, trifft sich mit dem Wunsch, einen kleinen Beitrag zur planetaren Energiewende zu leisten.

Um aber in einem solchen System dezentraler Stromerzeugung die bislang in Österreich gewohnte Versorgungssicherheit und Netzstabilität beibehalten zu können, ist ein äußerst intelligentes Zusammenspiel zwischen allen Erzeugern, Versorgern und Verbrauchern sowie Stromspeichern notwendig: ein Smart Grid, ein digitales Kommunikationsnetz, das das System 24 Stunden am Tag überwacht, analysiert und reguliert.

"Das über die Jahrzehnte gewachsene Stromnetz funktioniert eher wie eine Einbahn. Dass es einmal so viele Kleinkraftwerke und PV-Anlagen geben würde, die auch auf der Mittel- und Niederspannungsebene einspeisen, war und ist in diesem Netz technisch nicht wirklich vorgesehen." So ergründet Angela Berger die Ursprünge des Bedarfs, das Stromnetz digital "nachzurüsten". Die studierte Elektrotechnikerin leitet als Geschäftsführerin die Technologieplattform Smart Grids Austria, die die wichtigsten Player aus Energiewirtschaft, Forschung, Industrie und Politik an einen Tisch bringt, um österreichische Forschungsergebnisse und Innovationen im Bereich Smart Grids in die Umsetzung zu bringen. "Die Marktliberalisierung und neue, immer günstiger werdende Technologien der Stromerzeugung haben zu ganz neuen Bedürfnissen und Anforderungen geführt. Unser großes Ziel ist es nun, Österreich als europäischen Leitmarkt zu positionieren und gleichzeitig allen Bürgerinnen und Bürgern die aktive Teilnahme am Energiemarkt zu ermöglichen."

- © monicaodo
© monicaodo

Der griffige Begriff des "Prosumenten" - Produzent + Konsument - bringt es auf den Punkt: In Zukunft werden immer mehr Menschen zu Hause Strom produzieren, ihn direkt verbrauchen, ihn an Nachbarn verkaufen oder sich in "Local Energy Communities" zusammenschließen.

Ungewissheit managen