Das feine Gewebe, die verschlungenen Goldfäden und die glänzenden Perlen erinnern an die Ornamente eines festlichen Gewandes. "The Embroidered Computer" der Künstlerinnen Irene Posch und Ebru Kurbak ist ein schöner Anblick. Es fällt leicht, sich in die verschlungenen Wege der Stickerei zu vertiefen. Dass man eine Rechenmaschine betrachtet, kommt einem nicht in den Sinn.

"The Embroidered Computer" ist ein funktionierender 8-Bit-Computer, der einfache Rechenoperationen durchführen kann. Er ist programmierbar, wie jeder andere Computer auch.

Verarbeitet wurden Leinen, Glas- und Magnetperlen sowie Goldfäden, Kupfer und Holz. Das auf dem Leinen entstandene Muster entspricht den Funktionen eines elektrischen Schaltkreises und ist nur zufällig auch dekorativ. Der Computer wird auf diese Weise zu einem handwerklichen Kunstwerk und damit zurück an die Ursprünge des Computerhandwerks versetzt. "Das Muster definiert die Funktion", schreibt die Künstlerin Irene Posch auf ihrer Website (ireneposch.net) über die Arbeit. "So werden die digitalen Abläufe, die sonst in einer Black Box versteckt sind, sichtbar."

In einer Installation ist der Computer auf einem langen Werktisch ausgebreitet. Ein Stick-kasten steht noch daneben, ebenso ein Stuhl. Es ist ein Stillleben, das ebenso wie das Muster der Schaltkreise ins 18. oder frühe 19. Jahrhundert gehört. Jeden Moment könnte die Stickerin oder - unwahrscheinlicher - der Sticker zurückkehren, um weiter an diesem Computer zu arbeiten. Wie das Sticken hat auch die Computerprogrammierung weibliche Wurzeln, die heute weitgehend vergessen sind oder mit den digitalen Abläufen in einer Black Box verschwunden.

Der erste Algorithmus etwa wird Ada Lovelace zugeschrieben, die 1843 eine Programmierung für die "Analytical Engine" von Charles Babbage geschrieben hat. Diese Maschine wurde nie gebaut, wäre aber mit Lochkarten gesteuert worden, wie man sie zu der Zeit bereits zur Steuerung der Webstühle für die Herstellung von Jacquard-Mustern einsetzte. Ada Lovelace programmierte eine Berechnung der Bernoulli-Zahlen für die analytische Maschine. Während Babbage für seine Maschine nur arithmetische Zwecke vorsah, entwickelte Ada Lovelace eine visionäre Vorstellung ihres Potenzials: Mittels Algorithmen könnten Computer eines Tages in der Lage sein, zum Beispiel Musik zu komponieren. Aber Computer könnten immer nur das ausführen, was das Programm ihnen befiehlt zu tun, schrieb Lovelace. Ein tieferes Verständnis für das, was sie tun, werde den Maschinen immer fehlen.

Wenn Posch und Kurbak einen Computer sticken, statt ihn zu bauen, öffnen sie tatsächlich eine Black Box: Die Schachtel, in der die historischen Wurzeln der Computertechnik und des Programmierens zusammen mit der Materialität der Digitalisierung verstaut und unserem Bewusstsein entzogen sind.

Irene Posch leitet seit 2018 den Bereich "Gestaltung. Technik. Textil" der Kunstuniversität Linz. Ebru Kurbak hat ursprünglich Architektur studiert und arbeitet als Designerin und Künstlerin. Die Arbeiten von Irene Posch und Ebru Kurbak verbinden immer wieder textile Materialien mit "moderner" Technik. Eine weitere gemeinsame Arbeit ist etwa das "Knitted Radio", ein gestricktes Radio. In "Crafted Logic" ist Häkeltechnik der Ausgangspunkt für die Frage der beiden Künstlerinnen, wie sich die digitale Technik entwickelt hätte, wäre sie ein Textilhandwerk. "Geblieben", möchte man nach "The Embroidered Computer" ergänzen.

Jedes Jahr am zweiten Dienstag im Oktober, diesmal am 8. Oktober, ist übrigens "Ada-Lovelace-Tag".