Die Maus ist in die Jahre gekommen. Computer steuern geht heute anders, nämlich mit den Augen. Das meint zumindest Tore Meyer, Mitgründer von 4tiitoo, einem Münchner Start-up, das sich dem Eye Tracking verschrieben hat, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".
Nuia heißt die Software von 4tiitoo, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) die Präzision marktüblicher Eye Tracker erhöhen soll. Mit unsichtbarem Infrarot (Near Infrared/NIR) checkt ein Sensor die Augenbewegungen des Nutzers und lernt dessen Verhaltensmuster kennen, um zu verstehen, welches Icon am Bildschirm jeweils angesteuert werden muss.

Kontrolliert von der Künstlichen Intelligenz?

Meyer weiß um die Ambivalenz der Gefühle, wenn es um Computersteuerung via Auge geht. Damit die Steuerung präzise funktioniert, muss die Künstliche Intelligenz zunächst jede Menge Daten sammeln. Und diese Daten sind heikel, gibt er zu: "Wir sehen Eye-Tracking-Daten als sehr sensibel und persönlich an. Eye-Tracking-Algorithmen können mittlerweile besser als jeder Lügendetektor erkennen, ob ein Mensch lügt. Das sind jedoch andere Eye Tracker, die viel höhere Frequenzen haben als jene, mit denen wir arbeiten."
4tiitoo habe sich, um in Sachen Datenschutz sicherzugehen, bereits vor sieben Jahren an die EU gewendet. Dort sei das Thema Eyetracking  damals aber noch nicht angekommen gewesen. Man musste sich selbst eine Lösung überlegen.
Die Nuia-Daten werden folglich ausschließlich am Rechner des Benutzers und nur kurzfristig gespeichert, verspricht Tore Meyer. Nur in der sechswöchigen Einführungsphase würden Nutzerdaten bei 4tiitoo analysiert, um festzustellen, wie sinnvoll Eye Tracking an den einzelnen Arbeitsplätzen tatsächlich sei. Damit bekämen die Unternehmen Anhaltspunkte, wie sie die Technologie ausrollen können. "Aber auch diese Daten sind bereits pseudonymisiert und so nicht mehr einem einzelnen Nutzer zuordenbar, weder von uns noch vom Arbeitgeber", betont Meyer.

"Gläserner Mitarbeiter" durch Office 365

Und vonseiten der Betriebsräte in den Unternehmen gab es keinerlei datenschutzrechtliche Bedenken? Das kann man sich nur schwer vorstellen.
"Typischerweise ist bei den Firmen, bei denen wir unsere Software einführen, der Betriebsrat anfangs immer skeptisch. Der erste Punkt ist natürlich stets, dass der Mitarbeiter mit dem neuen Sensor überwacht wird", räumt Meyer ein. "Diese Sorge schwindet jedoch, wenn geklärt ist, dass die Eye-Tracking-Technologie und alle damit verbundenen, gesammelten Daten nur am PC des Mitarbeiters laufen", so der Firmengründer. "Die Daten tauchen kurz im Memory auf, werden bearbeitet, aber nicht permanent gespeichert. Loggt man sich aus, fährt den PC herunter, sind sie weg."
Es gebe ohnehin einfachere Wege, Mitarbeiter auszuspionieren, wenn man das tatsächlich anstrebe: "Jedes Office-365-Abonnement erlaubt mehr Möglichkeiten, um zu erkennen, welcher Mitarbeiter an welchen Dokumenten während der Arbeitszeit wie viele Changes gemacht hat."