Hält der Zuschauer hier nach einer Darstellerin Ausschau, auf die er seine fantasierte Sexualpartnerin oder Sexualszene projizieren kann? Diese Vermutung liege nahe, so der Philosoph und Sexualwissenschafter Karl Stifter. "Der Zuschauer muss etwas oder jemanden mit einer deutschen Nachbarin assoziieren, sonst würde er nicht danach suchen." Die Sprache begünstige hier die Identifizierbarkeit der realen Wunschsexualpartnerin, so Stifter.

Die englischen Ausreißer

Auffallend ist, dass die englischsprachigen Länder hier die einzigen Ausreißer sind. In Kanada, England, Australien und den USA triumphiert der Suchbegriff "lesbian", dahinter kommen die "step sister" bzw. die "milf" (mother I’d like to fuck, Anm.).

Die Nationalitätsaffinität spiele in diesen Ländern keine Rolle, weil die Pornobranche international sei und in den meisten Videos englisch gesprochen werde, sagt Stifter. Daher müsse nicht mehr extra gezielt nach englischen Pornos gesucht werden. "Je spezieller die Sprache, umso enger wird die Auswahlmöglichkeit", sagt Stifter.

Es ist aber nicht nur das Nationale, wonach die Österreicher suchen. Auf Platz drei der häufigsten Suchanfragen findet sich die "milf", Platz fünf belegt die "step mom". "Als Psychologin ist es unablässig danach zu fragen, ob es sich hier nicht um den primären Wunsch nach inzestuösem Verhalten handelt. Bei 99 Prozent ist das aber nicht der Fall", sagt Renn. Vielmehr errege hier genau die Grauzone die Zuschauer: "Es ist verpönt, mit seiner Stiefmutter oder Stiefschwester zu schlafen, verboten ist es aber nicht."

"Absoluter Tabubruch"

"Es geht um die Tabuisierung", sagt auch Kostenwein. Mit der Stiefmutter zu schlafen, der Frau des Vaters, sei "ein absoluter Tabubruch". "Das ist Aufladung par excellence. Das kann die Erregung wunderbar bedienen."

Die Milf sei besonders für die Jugendlichen interessant: "Das sind nicht wirklich alte Frauen, sie sind aber meist um zehn Jahre älter als die Bezugsgruppe. Dass die Frau reifer ist und viel sexuelle Erfahrung hat, erregt die Jugendlichen", sagt Kostenwein.

Oft wird die Nationalität auch mit diesen Begriffen kombiniert. In Österreich boomt etwa die "deutsche Milf". Nach ihr wurde 2017 um 242 Prozent häufiger als noch 2016 gesucht. Auch in Deutschland ist die "deutsche Mutter" und "deutsche Milf" stark im Kommen.

"Die Lustmaximierung spielt in der Pornografie eine charakteristische Rolle. Und offensichtlich maximiert die Kombination der Erotisierungskategorie mit der Sprache die Lust", sagt Stifter.