Wien. Er ist verdammt gefährlich. Und verdammt kreativ. Agent 47 macht den Bösen dieser Welt den Garaus - auf jede erdenkliche Art und Weise. Seien es kolumbianische Drogenhändler, psychopathische Rennfahrer oder indische Verbrecherbosse: Niemand ist im Spiel "Hitman 2" des dänischen Entwicklers IO Interactive vor dem glatzköpfigen Auftragsmörder sicher.

In sechs Missionen tüftelt Agent 47 im neuesten Teil an den besten Wegen, um seine Ziele zu beseitigen. Dieses Tüfteln ist die große Stärke von "Hitman 2". Zwar hätte die Geschichte hinter dem Spiel durchaus Potenzial gehabt: Agent 47 kennt seine eigene Identität nicht und gerät in eine weltumfassende Verschwörung, in der die Fronten nicht klar auszumachen sind. Da die Handlung aber nur in einfachen Standbildern lieblos hinuntererzählt wird, bleibt sie auch dementsprechend belanglos.

Diese Einfachheit zeigt sich auch bei der Grafik: Sie liegt unter dem Standard anderer großer Spiele wie etwa "Red Dead Redemption 2". Will man dem etwas Positives abgewinnen, so kann man sagen, dass das Spiel dadurch übersichtlich bleibt. Auch gibt es keine Talentbäume, die ausgebaut werden müssen, und sonstige Firlefanze.

Finesse ist gefragt

Der Entwickler hat sich ganz auf die einzelnen Missionen konzentriert, die gelungen und abwechslungsreich sind. In einer Kleinstadt im Dschungel jagt 47 etwa ein Trio von kolumbianischen Drogenbossen. Wie man aber an die schwer bewachten Verbrecher herankommt, bleibt dem Spieler überlassen.

Sinnlose Ballereien bringen einen nicht weiter, Finesse ist gefragt. 47 muss sich im Dorf umhören, die riesige Welt erkunden, Informationen sammeln.

Die Geduld zahlt sich aus: So erfährt er, dass ein Drogenbaron eine Statue von sich hat anfertigen lassen. Diese will er nun auf einem Hügel in der Stadt aufstellen lassen, zur feierlichen Eröffnung kommt er dafür sogar aus seiner Villa heraus. Die Statue ist jedoch instabil und lässt sich mit ein paar Handgriffen manipulieren - vielleicht so, dass sie geradewegs auf den Drogenbaron stürzt?

Es ist nur eine von zig Vorgehensweisen, um ans Ziel zu kommen. Das erhöht den Wiederspielwert enorm. "Hitman 2" ist ein Paradies für Tüftler, welche die verschiedensten Varianten ausprobieren können. Jeder Schauplatz spielt sich dabei anders. Während im Dschungel geheime Pfade und Höhlen entdeckt werden können, kämpft man sich in Mumbai durch Menschenmassen. Die Levels sind stimmig gestaltet.

Flotter Mehrspielermodus

Wer mit diesen Tüfteleien und Erkundungen nichts anfangen kann, wird mit "Hitman 2" nicht lange seine Freude haben. Denn an sich sind die sechs Mission schnell durchgespielt, in ein paar Stunden können alle Aufträge erledigt werden. Diese Gruppe könnte allerdings an den neuen und flotteren Multiplayer-Spielmodi Gefallen finden. So tritt man im "Ghost Mode" gegen einen anderen Spieler an - wer zuerst fünf Zielpersonen eliminiert, gewinnt.

Das Testmuster wurde der "Wiener Zeitung" vom Hersteller zur Verfügung gestellt. "Hitman 2" ist am 13. November für PC, PS4 und Xbox One erschienen.