So ziehen erfolgreiche Profispieler von Haus aus viele Zuschauer an. Eine besondere Interaktion mit der Fangemeinde ist da gar nicht nötig. Um zum Twitch-Star zu avancieren, braucht es aber mehr. Ninja beispielsweise ist als genialer "Fortnite"-Spieler bekanntgeworden. Er begann dann aber sukzessive damit, sich ein besonderes Image aufzubauen. Er ist witzig, blödelt mit seinen Fans, erzählt von seinen durchzechten Nächte und spielt gemeinsam mit Prominenten. Legendär war sein Stream mit US-Rapper Drake, den 600.000 Menschen auf den Bildschirmen live mitverfolgten.

Man muss aber nicht unbedingt gut spielen oder kommunizieren können, um auf Twitch erfolgreich zu sein. Ein Dorn im Auge sind seriösen Streamer jene Personen, die nur mit gewagtem Dekolleté und Camgirl-Attitüde die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Eine solche Streamerin ist etwa ST Peach, der mehr als 800.000 Personen folgen.

Mittlerweile geht Twitch rigider gegen diese Gruppe vor. So wurden dieses Jahr etwa Bekleidungsvorschriften erlassen: Es soll nur mehr solche Kleidung getragen werden, die man auch auf einer öffentlichen Straße oder einem Restaurant anziehen würde. Dafür ist es seit 2018 mit der "Just Chatting"-Kategorie nun möglich, mit seinen Zuschauern lediglich zu chatten - ohne ein Computerspiel zu spielen.

Auch alle relevanten Turniere der großen Computerspiele wie "League of Legends", "Counter Strike" oder "Overwatch" werden mittlerweile auf Twitch gestreamt. Mit professionellen Kommentatoren und allen sonstigen Extras.

Konkurrenz hinkt nach

Die Konkurrenz hat Twitch weit hinter sich gelassen. YouTube beispielsweise hat versucht, mit seinem "Live"-Dienst auf den Streaming-Zug aufzuspringen. Mit lediglich bescheidenem Erfolg. Inzwischen gilt YouTube als Auffangbecken gescheiterter Twitch-Existenzen. Dort landen oft Streamer, die von Twitch gesperrt wurden, weil sie gegen die Richtlinien verstoßen haben.

Die Zahl, der Menschen, die von Twitch leben können, steigt. Fast könnte man von einem neuen Berufszweig reden. Auch in Österreich. Die erfolgreiche österreichische Streamerin Miss Rage etwa verdient eigenen Angaben zufolge ein monatliches Managergehalt mit ihren Twitch-Streams zum Shooter "Counter Strike". Dabei - und darin sind sich alle Experten einig - steht Twitch erst am Anfang seines Siegeszuges.