Wien. Mit einer Taschenlampe schleicht Leon durch den dunklen Gang. Der Boden knarrt. Vorsichtig tastet er sich voran, das Messer griffbereit haltend. Plötzlich ist etwas zu hören. Jemand stöhnt. Leon wartet, dann sieht er sie: Die Untoten kommen auf ihn zu. Leon will fliehen, doch auch von der anderen Seite schlürfen sie den Gang entlang. Schnell zieht er die Pistole und schießt. Einen Zombie erwischt er, doch die Munition geht ihm aus. Nur mehr eine Blendgranate ist übrig geblieben. Wird sie Leon vor den Menschenfressern retten?

Es ist kein Spiel für zarte Gemüter, das am Freitag erscheinende Videospiel-Remake des Horror-Klassikers "Resident Evil 2". Das Original ist 1998 herausgekommen, zig weitere Spieleteile folgten, mit Schauspielerin Milla Jovovich wurde die Serie auch erfolgreich verfilmt.

Nun, 20 Jahre später, lässt der japanische Entwickler Capcom den Spieler in Raccoon City erneut gegen die Untoten antreten. Die Neuauflage ist nicht nur grafisch aufgehübscht, auch die Spielmechanik wurde auf den aktuellen Stand gebracht. Die fixen Kameraeinstellungen des Originals sind passé, stattdessen wird den Spielfiguren nun über die Schultern geschaut.

Lauert hinter dem Eingang das nächste Monster? In "Resident Evil 2" muss der Spieler ständig auf der Hut sein. - © Screenshot/Capcom
Lauert hinter dem Eingang das nächste Monster? In "Resident Evil 2" muss der Spieler ständig auf der Hut sein. - © Screenshot/Capcom

Überleben in der Polizeistation

Die Handlung ist hingegen die gleiche: Mit dem blutjungen Polizisten Leon Kennedy und der Studentin Claire Redfield kämpft sich der Spieler durch die Apokalypse. Ihre Geschichten werden in eigenen Kampagnen erzählt, die sich größtenteils ähneln.

Was die Seuche losgetreten hat, ist zu Spielbeginn unklar. Ein leichter Verdacht drängt sich aber bald auf, da Raccoon City Sitz eines bedeutenden Pharmaunternehmens ist. Zunächst steht bei Leon aber nicht die Ursachenforschung auf dem Programm.

Er flieht in die Polizeistation der Stadt, in der er eigentlich seinen Dienst als Polizist hätte antreten sollen. In der Station hatten sich die Überlebenden zu Beginn der Seuche verbarrikadiert. Ziemlich erfolglos. Nur ein Polizist hat überlebt, er rettet Leon in letzter Sekunde davor, von den Untoten verspeist zu werden.

Nun ist Leon aber gefangen. Die Zombies haben die Station umstellt, auch im Gebäude vegetieren sie vor sich hin. Ruhe hat er nur in der riesigen Eingangshalle, in die es die Zombies nicht geschafft haben. Das wirkt angesichts der Masse an Untoten und den zig Eingängen unrealistisch, spieltechnisch ist es verständlich. Denn in der Halle kann Leon seine Sachen verstauen und sich von seinen Erkundungen erholen.

Glücklicherweise findet der Polizist heraus, dass es einen geheimen Weg gibt, der unterirdisch in die Freiheit führt. Dieser lässt sich aber nur mit drei speziellen Medaillons öffnen, die in der Polizeistation versteckt sind. Bei seiner Suche muss Leon in MacGyver-Manier Gegenstände kombinieren, Rätsel lösen und die Station durchforsten.

Unübersichtliche Räume

Bei diesen Erkundungen entfaltet sich der Horror. Die Gänge sind eng, die Räume unübersichtlich. Ständig knirscht, grummelt oder stöhnt irgendwas. Neben dieser Soundkulisse ist auch das Spiel mit Licht und Schatten gelungen: In den meisten Räumen ist das Licht ausgefallen, nur Straßenlaternen erhellen hier und da die Dunkelheit. Leons muss sich mit einer Taschenlampe helfen, die nur wenig Licht spendet.

Überall scheint eine Gefahr zu lauern. Der Spieler weiß: Jederzeit kann es ihn erwischen. Zu Beginn verfügt er auch kaum über Ausrüstung. Die Munition und Heilmittel sind rar, sie müssen erst zusammengesucht werden. Das ist dringend nötig: Je weiter das Spiel voranschreitet, desto grauslicher und gefährlicher werden die Monster, wie etwa der langsame, aber bärenstarke Drei-Meter-Mutant "Tyrant". Vor ihm läuft man lieber weg.

Wird Leon von einem Monster erwischt, wird sein Ende äußerst brutal dargestellt. Hier spielt "Resident Evil 2" in einer Liga mit Splatterfilmen. Aufgrund der exzessiven Gewaltdarstellung wurde der Titel auch erst für Spieler ab 18 Jahren freigegeben. Die Szenen schockieren zwar, oft wirkt die Gewalt aber etwas gar plump und nach Entsetzen heischend.

Farblose Figuren

Weniger überzeugend sind auch die Spielfiguren. Leon ist ein junger Schönling, der meist nur platte Einzeiler von sich gibt. Er bleibt dadurch eine farblose Figur. Und auch der Geschichte mangelt es an mitreißenden Dialogen und überraschenden Wendung.

Letztlich ist die Neuauflage des Klassikers aber gelungen: Selbst bei Horror-Veteranen wird, wenn sie Leon oder Claire durch die dunklen Gänge schicken, die Furcht mitschleichen.

Das Testmuster wurde der "Wiener Zeitung" vom Hersteller zur Verfügung gestellt. "Resident Evil 2" ist heute, Freitag, für PC, PS4 und Xbox One erschienen.