Wien. "Metro Exodus" erhält quer durchs Netz großes Lob. Zu Recht. Denn das düstere Action-Adventure bietet gute Unterhaltung für viele Stunden. Doch das Lob vieler Spieler birgt eigentlich massive Kritik. Dahinter steckt das Phänomen "Review bombing": Wenn Spieler etwas besonders stört, kommt es zum organisierten Protest. Sie schreiben massenhaft überzogene negative Kritiken. Quasi ein Shitstorm für Spiele. Diesmal allerdings hagelt es positive Kritik für "Metro Exodus". Und trotzdem drücken die Spieler damit ihren Unmut aus.

Der Hintergrund ist die Entscheidung von Herausgeber Deep Silver, die PC-Version des Spiels für ein Jahr exklusiv über die neue Plattform Epic Games zu vertreiben. Und das, obwohl die Vorbestellungen des ersehnten Spiels noch über den Platzhirschen Steam vertrieben wurden.

Doch um sich auf dem wichtigen Markt zu etablieren, zahlte Epic Games eine erkleckliche Summe und nahm damit den erwarteten Kassenschlager "Metro Exodus" exklusiv unter Vertrag. Fans des Spiels waren in der Zwickmühle. Einerseits wollten sie ihrem Unmut Luft machen, andererseits ist das Spiel gelungen und der ukrainisch-maltesische Entwickler 4A mit seiner "Metro"-Serie sehr beliebt. Die Lösung: positive Spielbewertungen, die Beleidigungen an Epic Games enthielten.

Atomare Apokalypse

In "Metro Exodus" spielt man Artjom, einen russischen Kämpfer, der in der Moskauer U-Bahn die atomare Apokalypse überlebt hat. Auf der Suche nach einem lebenswerten Plätzchen auf der Oberfläche muss er sich durch Horden mutierter Wesen kämpfen. Er trifft auf Menschengruppen, die sich bereits ein bescheidenes Leben aufgebaut haben und dieses gegen Außenseiter verteidigen.

Inspiriert von der "Metro"-Reihe des russischen Bestseller-Autors Dmitry Glukhovsky bietet "Metro Exodus" eine Geschichte, die vom Klischee der russischen Seele geprägt ist. Dazu gehören überbordende Jovialität, Herzlichkeit, Unbekümmertheit, Todesverachtung und natürlich auch Wodka trinken.

Der romanhafte Teil ist dann auch eine der Stärken der Geschichte. Wer die entsprechende Affinität hat, kann den Dialogen der Figuren lauschen und in die Welt Artjoms eintauchen. Wen das weniger interessiert, kann zumeist einfach weggehen und sich den Hauptmissionen widmen.

Das Anorganische im Spiel ist beeindruckend: Winterlandschaften, Wüsten, verfallene Häuser samt Inventar - alles wirkt, als wäre es zum Anfassen. Auch die Spielfiguren sind grundsätzlich schön animiert, hier spielt "Metro Exodus" allerdings nicht in der Meisterliga mit.

Eine weitere Stärke ist die offene Spielweise. Je nach Lust und Laune können die Missionen mehr oder weniger blutig absolviert werden. Man kann sich als Möchtegern-Rambo durch das Spiel kämpfen, aber auch als Schleicher an Feinden vorbeigleiten und sie schlimmstenfalls bewusstlos schlagen.

Wichtige Waffenpflege

Gewürzt wird das Ganze mit einer begrenzten Zeit, der sich Artjom Radioaktivität aussetzen kann. Das bringt Druck in die Absolvierung von Aufgaben. Für Begeisterung unter Bundesheerlern wird die Waffenpflege sorgen: Wer sein Gewehr nicht regelmäßig reinigt, wird irgendwann mit Ladehemmung zu kämpfen haben.

"Metro Exodus" ist eigentlich ein Adventure der alten Schule: Die Geschichte ist mehr oder weniger vorgegeben, der Spieler erfüllt vorgelegte Aufgaben. So ist auch Artjom im Spiel selbst stumm und befolgt ihm erteilte Befehle. Lediglich in den Ladesequenzen ist Artjoms Stimme zu hören, wenn er die aktuelle Situation zusammenfasst. Diese Ladesequenzen haben es aber in sich. Passend zum Titel "Metro" sind sie unterirdisch (PS4): Die Wartezeit erstreckt sich teilweise über mehr als drei Minuten. Auch nicht optimal gelungen ist der Sound. Stellenweise sucht man vermeintlich einen Feind, nur um festzustellen, dass man die eigenen - eigenartig klingenden - Schritte jagt.

Unterm Strich ist "Metro Exodus" ein gelungener Adventure-Shooter mit einer Atmosphäre zum Anfassen und einer fesselnden Geschichte.

Das Testmuster wurde der "Wiener Zeitung" vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Das Spiel ist für PS4, Xbox One und PC erschienen.