Wien. Thomas Mahler ist im Stress. Das Jahr ist noch jung, doch bis zu dessen Ende habe er wenig Zeit für ein Gespräch, erklärt er. Sonntag um drei Uhr gebe es ein kleines Fenster. Aber nur bis vier. Dann steht schon der nächste Termin an. Denn was er tut, macht Mahler mit absoluter Hingabe: Der 35-jährige Wiener ist Chef einer erfolgreichen Computerspielschmiede. Seine "Moon Studios" haben "Ori and the Blind Forest" produziert, das Kritiker einhellig in höchsten Tönen gelobt haben. Das Spiel staubte weltweit zig Auszeichnungen ab: von amerikanischen bis britischen Awards, von bester Grafik bis zum besten Spiel. Noch dieses Jahr soll der zweite Teil erscheinen - "Ori and the Will of Wisps".

Die Moon Studios als österreichisches Studio zu bezeichnen, ist gewagt. Zwar befindet sich der Sitz der Firma in Wien. Und neben Mahler arbeitet auch sein Bruder in dem Unternehmen. Der Rest der rund 60 Mitarbeiter stammt aus aller Welt: von Australien über die USA bis nach Japan. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erklärt Mahler sein Erfolgsrezept und wieso er keine österreichischen Mitarbeiter hat.

"Die Arroganz in Österreich regt mich fürchterlich auf", sagt Mahler. Er sitzt in seinem Büro, einem Dachausbau in Neubau. Der ist auch gleichzeitig seine Wohnung, in der er mit seiner Lebensgefährtin und seinem einjährigen Sohn lebt. "Die Spielentwickler in Österreich sind so eingebildet, dass sie glauben, sie sind die besten der Welt", legt Mahler nach. "Wie, verdammt noch einmal, können die zu dieser Überzeugung kommen? Die machen doch Schrottspiele!"

Thomas Mahler. - © privat
Thomas Mahler. - © privat

"Die waren nicht gut genug"

Auch wenn Mahler gerade dabei ist, das Gegenteil zu beweisen, so sind doch Spielentwickler aus Österreich gemeinhin weit von der Weltspitze entfernt. Die Mentalität in den USA sei da ganz anders, sagt Mahler. "Als ich zu Blizzard nach Amerika gekommen bin, habe ich mit den besten Künstlern der Branche gearbeitet. Die waren durch die Bank selbstkritisch. Stets hörte man Sätze wie: ,Ich bin so schlecht.‘" Dabei finde man kaum sonst wo Talente wie diese.

Nach Erscheinen von "Ori" und dessen Erfolgslauf erhielten die Moon Studios eine beeindruckende Anzahl an Bewerbungen aus Österreich. Mahlers Fazit: "Die waren alle einfach nicht gut genug." Gründe für den Missstand findet er genügend - abgesehen von der Einstellung. Einer ist das alte Sprichwort: "Gleich und Gleich gesellt sich gern." Dort, wo es viele Studios gibt, dort ist es auch einfacher, gute Leute zu bekommen. Es ist ein Teufelskreis: Gute Spielemacher fehlen in Österreich, weil es keine guten Studios und Herausgeber gibt, und die gibt es nicht, weil es keine guten Spielemacher gibt. Die paar Österreicher, die mit der Weltelite mithalten können, gehen typischerweise ins Ausland.