Wien. Das hätte sich Dante Alighieri nicht träumen lassen. Nicht nur, dass seine "göttliche Komödie" als Inspiration für die Hack-and-Slash Serie "Devil May Cry" herhalten würde. Aus dem italienischen Dichter wurde zudem ein halbmenschlicher Dämonenjäger, der auch im fünften Teil der Reihe das stilvolle Massenschlachten der Diener der Unterwelt zelebriert. Vorab: "Devil May Cry 5" sieht fantastisch aus, was an Capcoms "RE Engine" liegt, die bereits im Remake von "Resident Evil 2" überzeugt hat.

Die Dämonen, die reihenweise niedergemetzelt werden, sind mit einer beinahe morbiden Liebe zum Detail gestaltet. Von den Bossgegnern am Ende jeder Mission ganz zu schweigen, die auch mal so groß wie ein Einfamilienhaus sind. Die bombastischen Umgebungen täuschen aber nicht darüber hinweg, dass die eher linearen Level den Spieler vorrangig von Arena zu Arena schleusen. Dafür gibt es allerlei versteckte Gegenstände und Geheimmissionen. Zudem können manche Missionen mit mehreren Charakteren bestritten werden, wobei jeder Durchgang andere Wege bereithält.

Waffen und Dämonenhelfer

Dem Spieler stehen dafür drei Kämpfer zur Verfügung: der Dämonenjäger und Serienheld Dante, sein Kollege Nero sowie der geheimnisvolle V. Die Tastenbelegungen sind bei allen gleich, beispielsweise für Nah- und Fernangriffe oder die extra starken Devil-Trigger-Attacken, die erst aufgeladen werden müssen. Die Figuren bedienen jedoch unterschiedliche Spielstile.

Den Anfang macht der schwert- und pistolenschwingende Nero. Außerdem verfügt er über eine Reihe verschiedener Armprothesen, die alle unterschiedliche Fähigkeiten haben und auch strategisch vor den Missionen ausgerüstet werden können. Da diese aber leicht im Kampf zerbrechen, muss er sie entweder in den Leveln finden oder im Shop kaufen.

V selbst ist zu schwach, um zu kämpfen, stattdessen befehligt er dämonische Helfer, die für ihn angreifen. Die Kombinationsmöglichkeiten der Attacken sind vielfältiger und intuitiver als bei Nero und auch die Angriffs- und Schadensreichweite ist höher, was V zu einem spaßigeren und eigentlich eher für Einsteiger gedachten Charakter der beiden macht.

Zu guter Letzt ist da Serienstar Dante, den man erst recht spät im Spiel steuern darf. Er ähnelt in seinen Angriffsmustern zwar mehr Nero als V, hat aber die meisten Fähigkeiten und Attacken von allen. Er ist daher auch am schwierigsten zu meistern, da man bei ihm verschiedene Kampfstile mischen und variieren kann.

Ungeduldige müssen zahlen

Stil ist übrigens das Herz des Kampfsystems, um das sich das ganze Spiel dreht. Denn lange und variierte Angriffsserien bringen bessere Stilränge und motivieren so, Level öfters zu spielen und jeden Charakter zu meisten. Außerdem bringt ein besserer Rang genau wie besiegte Dämonen rote Kugeln. Damit können Verbesserungen und Fähigkeiten im Shop gekauft werden, die für alle drei Charaktere unterschiedlich und mitunter sehr teuer sind.

Hier setzen die Entwickler auf die Ungeduld der Spieler und locken Mikrotransaktionen, um den Bestand an roten Kugeln aufzufetten. Diese lassen sich aber auch gut durch das Wiederspielen von Levels horten. Geheimnisjäger und Stilperfektionisten werden also selten knapp bei Kassa sein.

Prinzipiell ist "Devil May Cry 5" übrigens ein Einzelspieler-Erlebnis. Im sogenannten "Cameo Modus" kann man aber - sofern man mit dem Internet verbunden ist - im Hintergrund andere Spieler in Aktion sehen. Dabei hat man die Möglichkeit deren Stil für Boni zu bewerten.

Mit "Devil May Cry 5" hat Capcom ein rasantes und atmosphärisches Hack-and-Slash herausgebracht, das vor allem Genrefans und Perfektionisten mit viel Geduld begeistern wird.

Das Testmuster wurde der "Wiener Zeitung" vom Hersteller zur Verfügung gestellt.