Wien. Die erste Gegnerwelle ist besiegt, doch die nächste schwappt schon durch die Straßen. Von links und rechts werden die Spieler flankiert. Schnell müssen sie woanders in Deckung gehen, um sich vor dem Kugelhagel zu schützen. Nur mit Mühe und Taktik wird auch diese Welle durchbrochen. Ist nun endlich Ruhe? Mitnichten. Der Bossgegner trottet heran. Mit schwerer Rüstung. Und einem Granatwerfer.

Ein Actionspektakel liefern Herausgeber Ubisoft und Entwickler Massive Entertainment mit dem Videospiel "Tom Clancy’s The Division 2" ab. Der Titel spielt im zerstörten Washington D.C., nachdem ein geheimnisvolles Virus die USA ins Chaos gestürzt hat. Milizen kämpfen um die Vorherrschaft, plündernd und mordend ziehen sie durch die Straßen. Nur "The Division", eine versprengte Gruppe Idealisten, versucht, wieder für Ordnung zu sorgen.

Das klingt spannender, als es im Spiel inszeniert ist. Denn die Geschichte und die Charaktere bleiben belanglos. Es gibt kaum Zwischensequenzen, mit denen die Handlung vorangetrieben wird. Die Missionen beschränken sich meist darauf, Milizen aus Gebäuden hinauszutreiben und spezielle Gegenstände zu finden.

Vielfältige Schauplätze

Trotz dieses Mankos funktioniert das Spiel bestens. "The Division 2" ist ein sogenannter "Loot-Shooter": Der Spieler sammelt und erkämpft sich immer bessere Ausrüstung und steigt mit seiner Figur in höhere Levels auf. Gleichzeitig passen sich die Gegner an, sie werden stets stärker und anspruchsvoller.

"The Division 2" bietet das Kampfsystem und die nötige Abwechslung, damit dieses Spielprinzip aufgeht. Obwohl der Titel lediglich in einer Stadt spielt und damit etwas eintönig geraten könnte, erwarten den Spieler vielfältige Schauplätze. Mal wird in einem Planetarium, mal in einer Bibliothek, ein anderes Mal in einer U-Bahn-Station oder einem Geschichtsmuseum gekämpft.

Hinzu kommt die lebendige Spielwelt. Die Wildnis hat Washington D.C. erobert, Hunde und Wild streifen durch die Stadt. Über Lautsprecher verbreiten Milizen ihre Propaganda, Menschen suchen nach Rohstoffen, schwer befestige Stützpunkte säumen die Straßenzüge.

Taktisches Vorgehen nötig

Der Spieler kann bei seinen Erkundungen Audioaufnahmen und Videos finden, in denen die Hintergründe der Katastrophe erklärt werden. Nach und nach entdeckt er die Wahrzeichen der Stadt, wie das "Lincoln Memorial". Die Grafik setzt keine neuen Maßstäbe, ist jedoch schön anzusehen.

Abwechslungsreich und spannend bleiben auch die Kämpfe. Die verschiedenen Schauplätze erfordern taktisches Vorgehen. Auf den weiten Plätzen droht man eingekesselt zu werden, geschickt muss sich der Spieler vorarbeiten. In den engen U-Bahnstationen hingegen ist ein brachiales Auftreten nötig. Unterschiedliche Gegner - vom Nahkampfprofi bis zum Scharfschützen - sorgen für eine Herausforderung. Ständig findet sich neue Ausrüstung, die Motivation bleibt dadurch lange erhalten.

Seinen vollen Reiz entfalten die Kämpfe, wenn sie gemeinsam mit menschlichen Mitstreitern online bestritten werden und man sich taktisch abstimmt. Daneben können die Spieler gegeneinander antreten - und in speziellen Gebieten etwa um die beste Ausrüstung kämpfen. Nötig ist das aber nicht: Das zerstörte Washington kann auch allein erkundet werden.

Das Testmuster wurde der "Wiener Zeitung" vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Das Spiel ist für PS4, Xbox One und PC erschienen.