Dazu komme, dass der Blindkauf darauf ausgelegt sei, bei den Spielern einen ähnlichen Adrenalin-Kick zu erzeugen wie am Spielautomaten, warnt Sumper. "Der Programmcode vieler Lootboxen zielt darauf ab, beim Spieler im Zeitpunkt des Öffnens ein Gefühl der Aufregung und Spannung auszulösen. Hierfür werden entsprechende optische und auditive Spezialeffekte, zum Teil ähnlich den analogen Glücksspielautomaten, verwendet."

Lootboxen würden daher ein ebensolches Suchtpotenzial bergen, so Sumper: "Vor dem Hintergrund eines effektiven Spielerschutzes sowie der Suchtprävention erscheint es jedenfalls gerechtfertigt, das Angebot von Lootboxen den Bestimmungen des Glückspielgesetzes zu unterwerfen, zu regulieren und zu besteuern."

In Belgien hat die Politik sich des Problems bereits angenommen. Dort wurden unter anderem die Lootboxen des beliebten Fußball-Videospiels "Fifa" als illegales Glücksspiel eingestuft. Fifa-Publisher Electronic Arts (EA) hat nach anfänglicher Weigerung eingelenkt, und so können belgische Fifa-Fans seit Jahresbeginn die begehrten Fifa-Points nicht mehr gegen Echtgeld erwerben. Auch in den Niederlanden und in China sind Lootboxen mittlerweile als Glücksspiel eingestuft. In Österreich forderte die SPÖ Ende 2018 die Regierung auf, bessere Jugendschutzmaßnahmen zu treffen: "Ursprünglich dazu gemacht, um Spieler mit kleinen kosmetischen Gegenständen zu belohnen, entwickelten sich Lootboxen in den letzten Jahren zu verstecktem Glückspiel, das ganz speziell an Jugendliche und Kinder gerichtet ist", heißt es in einem parlamentarischen Entschließungsantrag.

"Grenzen verschwimmen"

Die Regierung verwies darauf, ohnehin eine Absichtserklärung mehrerer EU-Staaten unterzeichnet zu haben, mit der man die Industrie an den Verhandlungstisch holen wolle. "Da die Grenzen zwischen Glücksspiel und Gaming zunehmend verschwimmen, ermutigen wir die Videospielehersteller, sich mit Regulatoren zusammenzutun, um sich um dieses Anliegen zu kümmern und um Kinder zu schützen", heißt es in dem Abkommen.

Ein Vorgehen gegen Lootboxen wäre freilich auch auf nationaler Ebene möglich, so Zechner und Sumper: "Gegenwärtig kann das Glückspielgesetz aufgrund des weiten Glücksspielbegriffs neue Entwicklungen in der Wirtschaft erfassen, unter anderem solche, die sich aufgrund der zunehmenden Digitalisierung ergeben." Ernüchternder Nachsatz der Grazer Forscher: "Online-Glücksspiel zieht allerdings erhebliche Vollzugsprobleme nach sich. Es ist daher fraglich, ob das österreichische Glückspielgesetz heute noch zeitgemäß ist."