Wien. Vierteilen, das Gesicht schichtweise abreißen, dem Gegner mit einem Leistentritt die Wirbelsäule aus dem Körper treten oder ihn in zwei reißen und wie eine Bauchrednerpuppe verwenden. Das ist nur eine kleine Auswahl der Arten, wie man in "Mortal Kombat" seinem Gegner den Rest geben kann. Diese Brutalität als berühmtes und berüchtigtes Markenzeichen erreicht im elften Teil der Prügelreihe von Netherrealms und Warner Bros. Games ihren Höhepunkt.

Denn wofür man sich das Spiel nicht wirklich kauft, ist der Storymodus. Dieser besteht aus gelegentlichen Prügeleien mit opulentem Actionkino dazwischen. Episch in Szene gesetzt, aber dramatischen Tiefgang à la Shakespeare darf man sich aber nicht erwarten. Wenngleich Spielfiguren, die mit den abgerissenen Köpfen ihrer Gegner posieren, zumindest entfernt an Hamlet erinnern.

Alternativ lässt sich offline oder online gegen einen Mitspieler oder den Computer antreten oder in den "Türmen" Turniere bestreiten. Eine neue Variante davon sind die "Türme der Zeit". Dort wechseln die Aufgaben und Gegner ständig.

Die Stärke von Mortal Kombat 11 liegt im Kampfsystem. Die vielfältigen und komplizierten Combos und Fähigkeiten und das gnadenlose Timing müssen erst gemeistert werden. Neben Serien-Veteranen und Favoriten wie Johnny Cage und Kitana sind drei neue Charaktere vertreten: die Gottheit Cetrion, Gera und das mehrarmige Monster The Kollektor. Erstmals in der Serie kann man auch Angriffe blocken. Der Übungsmodus wird dringend empfohlen, mit wildem Knöpfedrücken kommt man nicht weit.

Die Kämpfe selbst sind schnell und brutal, Blut spritzt beinahe im Sekundentakt, die Umgebung kann als Waffe verwendet werden und bei kritischen Treffern werden gebrochene Knochen im Röntgenmodus gezeigt. Also gewissermaßen eine skurrile Anatomie-Schulung als Extra. Pro Kampf kann man sich einmalig mit einem "Fatal Blow" retten, einer mit Zeitlupe und sadistischer Detailgetreue inszenierten Abfolge an physischen Grausamkeiten.

Keine Lootboxen

Wie bisher haben die Kämpfer Stärken und Schwächen, so ist der agile Johnny Cage immer noch Hassgegner für langsamere Kämpfer wie Sub-Zero. Die Charaktere können nun mit Ausrüstung und Fähigkeitsverbesserungen angepasst werden, um Nachteile ein wenig auszugleichen.

Statt in einem Shop gibt es hier die Krpyta, eine ausgedehnte Inselruine, als kreative Alternative. Diese kann erkundet und verwüstet werden, um Schätze zu finden. Diese sind in Truhen versteckt, die sich nur mit dem erarbeiteten Spielgeld plündern und wiederauffüllen lassen. Zwar sind die Truheninhalte zufällig, es handelt sich jedoch nicht um die berüchtigten Lootboxen, da man das Spielgeld nicht für echtes Geld kaufen kann. Die Entwickler hatten sich auch auf Druck der Fans gegen diese an Glücksspiel angelehnte Mechanik ausgesprochen.

Fighting-Enthusiasten und Strategen werden mit Mortal Kombat 11 als lupenreinem und extra-blutigem Prügler ihre helle Freude haben. Um das Kampfsystem zu meistern, sollten Spieler aber viel Zeit und Geduld mitbringen - und einen starken Magen.

Das Testmuster wurde der "Wiener Zeitung" vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Das Spiel ist für PC, PS4, Xbox One und Nintendo Switch erschienen.