Leicester/Wien. Christian Fuchs hat diese Woche seinen Vertrag beim englischen Fußballklub Leicester verlängert. Doch der ehemalige Kapitän der österreichischen Nationalmannschaft und Gewinner der englischen Premier League plant bereits die Zeit nach seiner aktiven Fußballerkarriere. Dann wird sich der 33-Jährige unter anderem dem digitalen Sport widmen.

Während seine Karriere auf dem grünen Rasen allmählich als Reservist ausklingt (nur drei Einsätze in der laufenden Saison), ist Fuchs groß beim Videospiel "Fifa" eingestiegen. Er betreibt seit 2018 ein eigenes E-Sport-Team für die Fußballsimulation. Es heißt "Nofuchsgiven" und klingt schnell ausgesprochen auf Englisch so ähnlich wie die vulgäre Feststellung, dass einem alles egal ist.

Fuchs ist Fußballpionier im E-Sport

"Das Gute am E-Sport ist, dass man den Leuten täglich etwas bieten kann", erklärt Colm Ó Méalóid, von der (E-)Sport-Agentur "Sportego", die auch für Christian Fuchs tätig ist. Beim normalen Fußball hingegen gebe es nur ein bis zwei Mal die Woche ein Match, so der irische Berater gegenüber der "Wiener Zeitung". Noch dieses Jahr will man soweit sein, dass das Team Gewinn abwirft. Die Einnahmen erfolgen ähnlich wie im Rasensport durch Übertragungsrechte, Werbung und Sponsoring.

Fuchs gehört zu den Pionieren unter den Fußballern, die den E-Sport für sich entdeckt haben. Die Idee, nach einer erfüllten Karriere digital weiter zu machen, liegt auf der Hand. Die Systeme funktionieren ähnlich. Verhandlungen mit Spielern und Sponsoren, Motivation und Teamführung, Training, Vermarktung - alles bekannte Komponenten. So wie im echten Fußball gibt es beispielsweise auch im E-Sport Leihspieler. Bei Nofuchsgiven spielt derzeit ein Spieler, der von Los Angeles Galaxy ausgeborgt ist. Umgekehrt spielt derzeit einer von Nofuchsgivens Starspielern in Dänemark. Der hat übrigens 2016 den Fifa eClub World Cup gewonnen. Das ist so etwas wie die Fußball-WM des E-Sports. An den ersten Qualifikationsrunden nehmen Millionen Spieler teil. Damit hat es das Turnier als größtes Online-E-Sport-Spiel ins Guinness Buch der Rekorde geschafft.

E-Sport gilt als erwachender Wirtschaftsriese

Der bisher prominenteste Kicker, der den E-Sport für sich entdeckt hat, ist Mesut Özil vom englischen Erstligisten Arsenal. Kolportierte 700.00 Euro soll Özil in den Aufbau eines E-Sport-Clubs investiert haben, der sowohl in "Fifa" als auch im beliebten Battle-Royale-Spiel "Fortnite" antritt. Der 2018 gegründete Club hat inzwischen mit die besten Spieler der Welt in seinen Reihen.