Das Spiel "Minecraft" bei Michael Fleischhacker im Einsatz. - © privat
Das Spiel "Minecraft" bei Michael Fleischhacker im Einsatz. - © privat

Wien. Michael Fleischhacker ist Lehrer an der Neuen Mittelschule Kinzerplatz im 21. Wiener Gemeindebezirk. Dort setzt er das Spiel "Minecraft" im Unterricht ein. Im Interview "Wiener Zeitung" erzählt er, wie das klappt.

"Wiener Zeitung":Warum haben Sie sich dazu entschieden, Videospiele im Unterricht einzusetzen?

Michael Fleischhacker: Die Kinder und Jugendlichen verbringen einen großen Teil ihrer Zeit in unseren Schulen. Da sind für mich als Lehrer wichtige Fragen: Womit setzen sie sich in ihrer Freizeit auseinander? Was sind ihre Bedürfnisse? Womit sind sie konfrontiert? Worüber denken sie nach? Und ich frage mich selbst: Wie schaffe ich es, dass das, was sie beschäftigt, auch in die Schule eingebunden wird? Wie kann Schule persönlicher werden?

Können Sie ein Beispiel nennen?

Viele Schüler haben beispielsweise das Spiel "Clash of Clans" gespielt. Darin muss der Spieler ein Dorf aufbauen, das dann wächst und auch Verteidigungsanlagen bekommt. Es ist im Prinzip so aufgebaut, dass es aus lauter Quadraten besteht: Jedes Gebäude ist quasi ein Quadrat. Und warum sollte ich als Lehrer nicht einen Screenshot von so einem Dorf nehmen, ihn an die Tafel heften und dann sagen: "Wir sind gerade bei zusammengesetzten Flächen. Schauen wir uns einmal an, ob wir berechnen können, wie groß dieses Dorf ist, wenn ein Feld beispielsweise einen Quadratzentimeter groß ist." Da ist für manche Schüler die Motivation zum Lernen dann eine ganz andere als sonst - nicht für alle, aber für manche. So habe ich nach und nach begonnen, verschiedene Themen und auch Spiele in den Unterricht einzubringen.

Hauptsächlich setzen Sie aber "Minecraft" ein, eine Art Legospiel am Computer, bei dem man einzelne Dinge programmieren und in Bewegung bringen kann. Weshalb ist das pädagogisch wertvoll?

Es bildet die Naturgesetze gut ab. Außerdem kann man sich sehr frei in der Spielwelt bewegen und sie auch selbst gestalten. Die Schüler können sich dort also gemeinsam austoben. Für Pädagogen ist eine Stärke des Spiels noch der Kreativmodus, der es möglich macht, Lernsettings aufzubauen.

Wie genau läuft das ab?

In verschiedenen Bereichen - von Physik über Chemie bis hin zur Geschichte - können wir Lehrer ein spielerisches Erlebnis stattfinden lassen. Die Schüler setzen sich dann damit auseinander, spielen das für den Unterricht kreierte Setting. Das geht alles ohne Programmierkenntnisse, was ein großer Vorteil ist.

Und wie kam der Schritt, "Minecraft" einzusetzen?